Donald Trump hat eine neue politische Maßeinheit erfunden.
Sie heißt:
97 Prozent Sieg plus drei Prozent Freundschaft.
Auf Truth Social verkündete der US-Präsident, seine Wahlempfehlungen seien „stärker denn je“. Seine Statistik sieht tatsächlich beeindruckend aus: Nach den von ihm präsentierten Zahlen gewannen 2026 rund 97 Prozent seiner unterstützten Kandidaten ihre Vorwahlen. Auch unabhängige Auswertungen kommen auf eine sehr hohe Erfolgsquote. Gleichzeitig haben jedoch mehrere Trump-Kandidaten zuletzt verloren.
Normalerweise wäre das kein Drama.
97 Prozent wären bei praktisch allem hervorragend.
Flugzeuge landen zu 97 Prozent?
Schlecht.
Herzoperationen funktionieren zu 97 Prozent?
Diskussionswürdig.
Politische Endorsements?
Fantastisch.
Doch Donald Trump wäre nicht Donald Trump, wenn die fehlenden drei Prozent einfach nur verloren hätten.
Nein.
Sie verloren aus Loyalität.
Trump erklärte sinngemäß, einige Kandidaten hätten kaum gewinnen können, aber er habe sie unterstützt, weil sie gute Menschen seien.
Das ist politisches Risikomanagement auf höchstem Niveau.
Gewinnt der Kandidat:
TRUMP HAT IHN ZUM SIEG GEFÜHRT!
Verliert der Kandidat:
Trump wusste selbstverständlich, dass er verlieren würde. Er war nur nett.
Damit besitzt das Trump-Endorsement erstmals dieselbe Funktionsweise wie ein Horoskop.
Egal was passiert:
Es stimmt.
Der unbesiegbare Königsmacher
Die jüngste Berichterstattung ist nämlich etwas weniger majestätisch. Zehn von Trump unterstützte Kandidaten sollen 2026 bereits verloren haben, darunter mehrere innerhalb kurzer Zeit. Die Washington Post bezeichnete die Serie als eine seiner schwächeren Vorwahlphasen.
Doch Statistik lässt sich bekanntlich hervorragend unterschiedlich beleuchten.
Man kann sagen:
„Zehn Trump-Kandidaten verloren.“
Oder:
„Mehr als 95 Prozent gewannen.“
Oder im offiziellen Trump-Mathematikunterricht:
„Alle wichtigen haben gewonnen, und die anderen waren emotionale Spenden.“
Besonders praktisch ist dabei, dass Trump Kandidaten häufig in Rennen unterstützt, in denen Republikaner ohnehin deutliche Favoriten sind oder Amtsinhaber kaum ernsthafte Konkurrenz haben.
Das ist ungefähr so, als würde man beim Fußball ausschließlich Bayern München gegen die örtliche Freiwillige Feuerwehr tippen und anschließend verkünden:
„Niemand versteht Fußball besser als ich.“
Cory Mills und das nachträgliche Endorsement-Wunder
Besonders elegant wurde die Methode nach der Niederlage des republikanischen Kongressabgeordneten Cory Mills in Florida.
Trump erklärte anschließend, er habe Mills eigentlich geraten auszusteigen – und unterstützte kurz darauf dessen siegreichen Gegner Ryan Elijah.
Das ist bemerkenswert effizient.
Man unterstützt zunächst Kandidat A.
A verliert gegen B.
Dann unterstützt man B.
Endergebnis: Trump unterstützt wieder den Gewinner.
Wenn diese Methode perfektioniert wird, könnte Trump künftig einfach fünf Minuten nach Schließung der Wahllokale erklären:
„Ich unterstütze denjenigen, der gewonnen hat. COMPLETE AND TOTAL ENDORSEMENT!“
Erfolgsquote:
100 Prozent.
Politische Wissenschaftler hassen diesen Trick.
Die Republikanische Partei als Casting-Show
Für republikanische Kandidaten bleibt Trumps Unterstützung trotzdem enorm wertvoll. Seine Empfehlung kann in GOP-Vorwahlen Geld, Aufmerksamkeit und Stimmen bringen.
Damit ähnelt die Republikanische Partei inzwischen gelegentlich einer Casting-Show.
Kandidat:
„Mr. President, ich unterstütze Ihre Agenda seit acht Jahren.“
Trump:
„Sehr gut.“
„Ich war bei 74 Kundgebungen.“
„Fantastisch.“
„Ich habe mein Boot nach Ihnen benannt.“
„Sehr klug.“
„Bekomme ich Ihr Endorsement?“
Trump schaut auf die Umfragen.
„Wie weit führen Sie?“
„32 Punkte.“
Trump erhebt sich:
„COMPLETE AND TOTAL ENDORSEMENT!“
Und schon ist wieder ein spektakulärer politischer Sieg vorbereitet.
Sollte der Kandidat wider Erwarten verlieren, greift Plan B:
Er war ein guter Mensch.
Die Chancen waren unmöglich.
Trump wusste es natürlich.
Er wollte nur loyal sein.
So entsteht die vielleicht perfekteste Statistik der amerikanischen Politik:
Siege beweisen Trumps Macht.
Niederlagen beweisen Trumps Loyalität.
Und sollte irgendwann tatsächlich niemand gewinnen, bleibt immer noch die stärkste Kategorie:
„Viele Leute sagen, wir hätten gewonnen.“




