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POLITIK

Atomklo Mecklenburg-Vorpommern: Erst forschen, dann strahlen

admin · 10.09.2026 · 2 Min. Lesezeit
Grafik: Atomklo MV - Erst mal forschen und ein bisschen schauen
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Mecklenburg-Vorpommern hat viele bekannte Sehenswürdigkeiten: Ostsee, Kreidefelsen, Seenplatte, Schweriner Schloss. Sollte es nach der energiepolitischen Debatte vor der Landtagswahl gehen, könnte irgendwann noch eine Attraktion hinzukommen:

„Willkommen im staatlich geprüften Atomklo – zwischen Ferienwohnung und Fischbrötchen.“

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig machte beim TV-Duell jedenfalls deutlich, dass sie wenig Lust verspürt, Mecklenburg-Vorpommern zum nuklearen Gästeklo der Republik umzubauen. „Wir wollen hier nicht das Atomklo von Deutschland werden“, erklärte sie.

Damit dürfte das Tourismusmarketing kurz zusammengezuckt sein.

„MV tut gut“ ließe sich zwar problemlos erweitern zu „MV tut gut – sofern der Geigerzähler schweigt“, doch vermutlich wäre das bei Familien mit kleinen Kindern nur begrenzt verkaufsfördernd.

Schwesig stellte deshalb AfD-Spitzenkandidat Leif-Erik Holm eine unangenehm konkrete Frage: Wo soll so ein neues Kernkraftwerk eigentlich hin?

Eine ausgezeichnete Frage.

Denn Kernenergie erfreut sich politisch häufig besonders großer Beliebtheit, solange das Kraftwerk ungefähr 380 Kilometer vom eigenen Vorgarten entfernt steht.

„Wir brauchen Kernkraft!“

„Sehr schön. Wir bauen eins neben Ihr Haus.“

„Moment. Ich meinte grundsätzlich.“

Holm widersprach allerdings. Die AfD wolle laut ihm gar nicht einfach neue Kernkraftwerke bauen. Man wolle sich vielmehr „bemühen zu erforschen und zu schauen“, ob Kernenergie ein sinnvoller Weg sein könne.

Das eröffnet völlig neue Möglichkeiten der Energiepolitik.

Deutschland baut also zunächst gar nichts. Es schaut.

Experten könnten dafür an geeigneten Standorten stehen, die Hände in die Hüften stemmen und murmeln:

„Hmm.“

Nach drei Jahren intensiven Schauens folgt Phase zwei: erforschen.

Weitere fünf Jahre später wird ein Arbeitskreis gegründet, der untersucht, ob beim Schauen ausreichend geforscht wurde. Anschließend folgt ein Gutachten über die Forschung zum Schauen.

Bis dahin dürfte Kernfusion verfügbar sein.

Besonders heikel bleibt Schwesigs Hinweis auf Grundstückspreise. Ein Eigenheim mit Blick aufs Atomkraftwerk könnte schließlich kleinere Vermarktungsprobleme verursachen.

Immobilienanzeigen müssten kreativ werden:

„Charmantes Einfamilienhaus in energienaher Lage. Nachts außergewöhnlich gute Orientierung im Garten. Kühlturmblick unverbaubar.“

Der entscheidende politische Test wäre deshalb verblüffend einfach: Jeder Politiker, der ein neues Kernkraftwerk fordert, erhält auf einer Landkarte einen roten Magneten.

Dann darf er ihn platzieren.

Im eigenen Wahlkreis.

Plötzlich dürfte Deutschland erleben, wie schnell aus überzeugten Kernkraftbefürwortern leidenschaftliche Experten für Wind, Sonne, Biomasse und Hamsterräder werden.

Bis dahin bleibt Mecklenburg-Vorpommern jedenfalls bei Ostsee, Seenplatte und Fischbrötchen.

Denn Schwesigs Botschaft war erstaunlich klar:

Urlauber dürfen gern ihren Müll mitnehmen – aber beim Atommüll hört die Gastfreundschaft auf.

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