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POLITIK

Berlin sucht Wohnungen – und findet erst einmal einen Grundsatzstreit

admin · 22.09.2026 · 2 Min. Lesezeit
Grafik: Wohnungsnot - Berlin streitet lieber übers Eigentum
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Berlin hat ein Problem: Wohnen ist teuer.

Zum Glück hat die Politik sofort reagiert und beschlossen, sich zunächst darüber zu streiten, wem die bereits vorhandenen Wohnungen eigentlich gehören sollen.

Denn warum mühsam neue Wohnungen bauen, wenn man die alten auch politisch neu sortieren kann?

Die Linke möchte große Wohnungsbestände vergesellschaften. Friedrich Merz möchte genau das per Bundesgesetz verhindern. Und irgendwo dazwischen sitzt der Berliner Mieter und fragt vorsichtig, ob vielleicht irgendjemand noch Zeit hätte, sich um seine nächste Mieterhöhung zu kümmern.

Die Antwort lautet offenbar:

„Gleich. Wir klären nur noch kurz das Verhältnis von Eigentum, Gemeinwohl und Föderalismus.“

Das kann dauern.

Nach dem Berliner Wahlerfolg der Linken kündigte Merz jedenfalls an, die geplante gesetzliche Bremse für Vergesellschaftungen voranzutreiben.

Die Linke reagierte empört. Ihr Fraktionschef Sören Pellmann warf dem Kanzler vor, an den sozialen Problemen vieler Mieter vorbeizuregieren.

Damit ist die Rollenverteilung geklärt.

Die Linke ruft: „Die Wohnungen den Menschen!“

Merz ruft: „Die Wohnungen bitte dort lassen, wo sie sind!“

Die Immobilienwirtschaft ruft: „Bei dem Theater bauen wir demnächst in Warschau!“

Und der Berliner Wohnungssuchende ruft:

„Ist irgendwo ein Zimmer frei?“

Nein.

Aber vielen Dank für Ihren Beitrag zur demokratischen Debatte.

Besonders schön ist, dass beide Seiten äußerst überzeugend erklären können, warum die jeweils andere Lösung keine einzige neue Wohnung schafft.

Die Gegner der Vergesellschaftung weisen darauf hin, dass Eigentümerwechsel keine Neubauten aus dem Boden wachsen lassen. Vertreter der Immobilienwirtschaft warnen zudem vor abgeschreckten Investoren und weniger Neubau.

Die Befürworter wiederum argumentieren, dass bezahlbares Wohnen nicht allein davon abhängen könne, ob Investoren gerade gute Laune haben.

Berlin befindet sich damit im perfekten wohnungspolitischen Gleichgewicht:

Die einen wollen Wohnungen kaufen, die schon stehen.

Die anderen wollen verhindern, dass Wohnungen gekauft werden, die schon stehen.

Und gebaut werden Wohnungen möglicherweise erst wieder, wenn alle mit der Diskussion fertig sind.

Besonders betroffen zeigt sich nun die Immobilienbranche. Investoren könnten ihr Geld künftig lieber in anderen europäischen Städten anlegen.

Das wäre für Berlin tragisch.

Schließlich benötigt die Hauptstadt dringend Kapital, damit irgendwann wieder Wohnungen entstehen, die sich anschließend niemand leisten kann.

Vielleicht braucht Deutschland deshalb einen völlig neuen Ansatz.

Ein Bundesministerium für theoretischen Wohnungsbau.

Dort könnten Politiker rund um die Uhr erklären, warum ihre jeweilige Strategie langfristig ganz hervorragend funktioniert.

Die Linke könnte symbolisch Häuser vergesellschaften.

Die Union könnte sie symbolisch schützen.

Investoren könnten symbolisch bauen.

Und Mieter könnten symbolisch einziehen.

Das hätte zumindest einen entscheidenden Vorteil:

Symbolische Mieten sind erstaunlich günstig.

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