Es gibt diplomatische Telefonate, schwierige Telefonate und Telefonate, nach denen anschließend niemand mehr genau weiß, ob gerade über Frieden, Krieg oder die Bedienungsanleitung eines russischen Wasserkochers gesprochen wurde. In die dritte Kategorie dürfte das jüngste Gespräch zwischen Donald Trump und Wladimir Putin fallen.
Eine Stunde lang hätten die beiden Präsidenten telefoniert – laut Kreml „konstruktiv“, „äußerst offen“, „professionell“ und „respektvoll“. Damit fehlten eigentlich nur noch „kuschelig“, „fruchtig im Abgang“ und „mit leichter Vanillenote“, um aus der offiziellen Gesprächsbeschreibung eine Weinverkostung zu machen.
Putin habe Trump dabei eine „objektive und detaillierte Analyse“ der Frontlage präsentiert.
Das ist ungefähr so, als würde der Wolf eine objektive Bestandsaufnahme des Schafstalls vorlegen: „Lage stabil. Einige Schafe fehlen. Gründe derzeit völlig unklar.“
Besonders interessant wurde es anschließend. Putin habe erklärt, was die Amerikaner tun könnten, um die Kämpfe rasch zu beenden. Was genau?
Das verriet der Kreml nicht.
Schade. Gerade als die Lösung für einen der gefährlichsten Konflikte Europas unmittelbar bevorstand, fiel offenbar der Vorhang. Vermutlich lautet der geheime russische Friedensplan ungefähr: Die Ukraine gibt Russland alles, was Moskau verlangt, zusätzlich ein paar Gebiete, die Russland noch gar nicht kontrolliert, bedankt sich höflich für die Gelegenheit und übernimmt anschließend die Versandkosten.
Denn an seinen Maximalforderungen hat Moskau bislang wenig geändert. Russland verlangt weiterhin ukrainisches Territorium – teilweise sogar solches, das die russische Armee bislang nicht erobert hat.
Das ist geopolitisch durchaus innovativ.
Früher musste man Gebiete wenigstens besetzen, bevor man sie behalten wollte. Heute genügt offenbar eine Art imperialer Wunschzettel: „Wir hätten gern Donezk, Luhansk, Saporischschja – und wenn Sie schon dabei sind, packen Sie Cherson bitte als Geschenk ein.“
Gleichzeitig versicherte Putin, Russland habe „absolut keinerlei aggressive Pläne gegenüber Europa“.
Europa darf also beruhigt sein.
Ein Land führt Krieg gegen seinen europäischen Nachbarn, fordert dessen Territorium und wird mit Sabotagevorwürfen konfrontiert – aber aggressive Absichten gegenüber Europa? Keineswegs. Vermutlich handelt es sich lediglich um eine militärisch unterstützte Form besonders energischer Nachbarschaftspflege.
Der Kreml erklärte außerdem, die russische Bedrohung werde von Europäern lediglich als Vorwand benutzt, um Militärausgaben zu erhöhen.
Das ist natürlich denkbar.
Ähnlich könnte ein Einbrecher argumentieren, Alarmanlagenhersteller würden völlig grundlos Angst verbreiten, nur weil er gerade mit Brecheisen im Wohnzimmer steht.
Nach exakt einer Stunde endete das Gespräch.
Washington sucht weiter nach einem Friedensweg, Moskau bleibt bei seinen Forderungen, die Ukraine soll Gebiete abgeben und Europa soll sich bitte keine Sorgen machen.
Kurz gesagt:
Das Telefonat war äußerst offen. Nur bei den Antworten blieb offenbar alles geschlossen.




