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POLITIK

Missouri zeichnet Wahlkreise – Gericht findet Radiergummi

admin · 05.09.2026 · 2 Min. Lesezeit
Grafik: Der große Wahlkreis-Radiergummi
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In Missouri ist etwas passiert, das im politischen Amerika inzwischen beinahe als höhere Gewalt gilt: Ein Wahlplan wurde gezeichnet, fein säuberlich auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnitten – und dann kam ein Gericht vorbei und sagte sinngemäß: „Netter Versuch.“

Der Oberste Gerichtshof des Bundesstaates hat die neue republikanische Wahlkreiskarte für die Kongresswahl im November gestoppt. Damit erlebte das traditionsreiche amerikanische Hobby des Gerrymandering einen jener seltenen Momente, in denen der Filzstift plötzlich auf eine Verfassung trifft.

Die neue Karte sollte unter anderem den Wahlkreis des demokratischen Abgeordneten Emanuel Cleaver in Kansas City kräftig durchschütteln. Politisch betrachtet ungefähr so, als würde man bei einem Fußballspiel in der Halbzeit feststellen, dass das gegnerische Tor störend günstig steht – und es deshalb hinter den Parkplatz versetzen.

Unterstützt worden war das Projekt von Donald Trump, dessen Vorstellung von fairen Wahlkreisen bekanntlich ungefähr lautet: Jeder darf gewinnen, solange vorher geklärt wurde, wer.

Missouris republikanischer Secretary of State Denny Hoskins hatte zudem versucht, ein Referendum über die neue Wahlkreiseinteilung zu verhindern. Das Gericht befand nun jedoch, dass die Bevölkerung durchaus darüber abstimmen darf. Eine bemerkenswerte Entwicklung: Bürger sollen bei einer Wahlfrage tatsächlich mitreden. Politikwissenschaftler beobachten das Phänomen bereits mit Ferngläsern.

Besonders pikant: Die umstrittene Karte war bei den Vorwahlen bereits benutzt worden. Missouri hat damit erfolgreich ein neues demokratisches Verfahren entwickelt: Wählen nach Regeln, die später möglicherweise gar nicht gelten.

Das schafft Flexibilität.

Künftig könnten Wahlzettel vorsorglich mit dem Hinweis versehen werden: „Alle Angaben ohne Gewähr. Wahlkreis kann sich während des Wahlvorgangs ändern.“

Natürlich ist Gerrymandering keine rein republikanische Erfindung. Auch Demokraten verstehen sich hervorragend auf die alte Kunst, Wahlbezirke so zu zeichnen, dass sie aussehen wie ein Tintenfisch nach einem Stromschlag. Der Unterschied besteht häufig nur darin, welche Partei gerade erklärt, dass ihr eigener geometrischer Unfall selbstverständlich der Demokratie dient.

In Missouri geht der Streit nun weiter. Der Staat hat den U.S. Supreme Court angerufen. Schließlich gibt es in Amerika für politische Niederlagen inzwischen eine einfache Grundregel: Wenn einem ein Gerichtsurteil nicht gefällt, sucht man ein größeres Gericht.

Bis dahin bleibt Missouri bei der bisherigen Wahlkarte.

Eine schwere Niederlage für alle, die glaubten, Demokratie bestehe hauptsächlich aus freien Wahlen – und sehr kreativem Geometrieunterricht.

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