Europa verhandelt wieder über Geld. Und damit ist jener besondere Zustand eingetreten, in dem sich erwachsene Regierungschefs tagelang in Brüssel einschließen, um anschließend festzustellen, dass alle weniger zahlen und gleichzeitig mehr bekommen möchten.
Bundeskanzler Friedrich Merz hat nun einen düsteren Ausblick gegeben.
Man sei bei den künftigen EU-Finanzen noch sehr weit auseinander.
Das ist Brüsseler Diplomatie für:
„Jeder hat eine Excel-Tabelle, und keine davon spricht mit der anderen.“
Ein schneller Durchbruch sei nicht zu erwarten. Für den nächsten großen Gipfel empfahl Merz deshalb sinngemäß, lieber ein paar Oberhemden mehr einzupacken.
Damit wurde die europäische Finanzpolitik endlich auf jene Ebene gebracht, auf der sie vermutlich immer schon funktioniert hat:
Wäschemanagement.
Je komplizierter der Haushalt, desto größer der Koffer.
Sollte sich diese Logik durchsetzen, könnte man die Verhandlungslage künftig direkt am Gepäck erkennen.
Kleiner Rollkoffer: leichte Meinungsverschiedenheiten.
Großer Hartschalenkoffer: Agrarpolitik.
Mehrere Kleidersäcke: Kohäsionsfonds.
Container vor dem Ratsgebäude: Deutschland und Frankreich diskutieren über Beiträge.
Das Problem ist bekannt.
Die einen wollen mehr Geld für Sicherheit.
Andere für Landwirtschaft.
Andere für Klimaschutz.
Andere für Regionen.
Und alle möchten gleichzeitig erklären können, dass der eigene Beitrag natürlich keinesfalls unangemessen steigt.
Der europäische Haushalt funktioniert damit ungefähr wie eine Familienfeier, bei der jeder ein anderes Restaurant bestellt, niemand die Rechnung übernehmen will und am Ende Luxemburg gefragt wird, ob es vielleicht einen Gutschein hat.
Merz rechnet immerhin nicht damit, dass die Sache sofort erledigt wird.
Das ist ungewöhnlich realistisch.
In Brüssel gelten Verhandlungen ohnehin erst dann als ernst, wenn jemand nachts Kaffee bestellt und ein Diplomat beginnt, auf Servietten Prozentwerte zu schreiben.
Der entscheidende Moment kommt traditionell kurz vor Sonnenaufgang.
Dann tritt irgendein Regierungschef vor die Kameras und erklärt:
„Wir haben einen guten europäischen Kompromiss gefunden.“
Übersetzt bedeutet das:
Niemand ist zufrieden genug, um zu jubeln.
Aber alle sind müde genug, um zu unterschreiben.
Vielleicht sollte Merz deshalb nicht nur zusätzliche Oberhemden einpacken.
Auch Zahnbürste, Schlafsack und Ladegerät dürften sinnvoll sein.
Für besonders schwierige Nächte vielleicht noch ein Bügeleisen.
Denn sollte der Gipfel wirklich länger dauern, wäre das wenigstens konsequent:
Europa bekommt zwar keinen glatten Haushalt.
Aber der Kanzler immerhin ein glattes Hemd.




