Im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern herrscht Aufregung. Nicht etwa, weil plötzlich konstruktive Politik betrieben wurde oder ein Abgeordneter versehentlich eine sachliche Debatte begonnen hätte. Nein, diesmal geht es um eine Hand. Genauer gesagt um die Finger eines AfD-Politikers, die offenbar beschlossen haben, sich politisch selbstständig zu machen.
Tommy Thormann präsentierte während der konstituierenden Sitzung eine Geste, bei der Daumen und Zeigefinger einen Kreis bilden. Die übrigen Finger standen stramm. Eine Haltung, die unter Tauchern „Alles okay“ bedeutet, in rechtsextremen Kreisen allerdings auch als „White Power“-Symbol verwendet wird.
Ob Thormann damit seine politische Gesinnung ausdrücken wollte, ist nicht belegt. Fest steht lediglich: Für eine harmlose Handbewegung hat das Ganze erstaunlich viel politischen Wellengang verursacht.
Die AfD entdeckt die Gebärdensprache der Missverständnisse
In der Partei dürfte man sich bereits auf die bewährte Verteidigungsstrategie vorbereiten: Alles völlig harmlos, alles falsch verstanden, alles wieder eine unglaubliche Kampagne gegen Menschen mit beweglichen Fingern.
Vielleicht wollte Thormann lediglich signalisieren, dass das parlamentarische Buffet ausgezeichnet sei. Vielleicht plante er einen Tauchurlaub. Oder er wollte demonstrieren, wie klein die Bereitschaft seiner Partei zur Selbstkritik inzwischen geworden ist.
Die politische Kommunikation der AfD erreicht damit eine neue Entwicklungsstufe. Nachdem Worte regelmäßig für Empörung sorgen, übernehmen jetzt offenbar die Hände den öffentlichen Auftritt.
Schwerin sucht den parlamentarischen Finger-TÜV
Linken-Fraktionschef Hennis Herbst fordert eine Prüfung des Vorfalls und erwägt eine Rüge. Das Landtagspräsidium könnte sich damit bald vor einer historischen Aufgabe wiederfinden: der parlamentarischen Hauptuntersuchung für verdächtige Fingerstellungen.
Sachverständige müssen möglicherweise klären, ob der Daumen politisch belastet war, der Zeigefinger eine extremistische Nebenbeschäftigung ausübte oder die übrigen Finger lediglich unschuldig mitgelaufen sind.
Vorsorglich könnten künftig sämtliche Abgeordneten vor Sitzungsbeginn ihre Hände auf den Tisch legen. Wer applaudieren möchte, benötigt eine Genehmigung. Wer winkt, muss vorher seine demokratische Zuverlässigkeit nachweisen.
Zwischen Tauchergruß und politischem Tiefgang
Besonders interessant ist die Mehrdeutigkeit der Geste. Während Taucher damit anzeigen, dass unter Wasser alles in Ordnung ist, kann dasselbe Zeichen in einem rechtsextremen Kontext eine völlig andere Bedeutung haben.
Der entscheidende Unterschied liegt also im Zusammenhang. Und genau dort beginnt die politische Verantwortung, die sich nicht einfach mit einem freundlichen Fingerkreis wegdiskutieren lässt.
Für die AfD eröffnet sich dennoch eine wunderbare Gelegenheit, die gesamte Debatte als Angriff auf die freie Fingerentfaltung darzustellen.
Vielleicht fordert die Allianz für Dummlaberei demnächst sogar ein Grundrecht auf missverständliche Handgymnastik.
Am Ende bleibt die Erkenntnis: In der Politik kann eine Handbewegung vieles bedeuten – aber wenn ausgerechnet bei der AfD ständig erklärt werden muss, dass alles nur ein harmloser Gruß war, liegt das Problem möglicherweise weniger an den Fingern als an dem, was gelegentlich dahintersteckt.




