Nachrichten, die zum Nachdenken anregen*
*Oder zum Lachen. Oder beides.
Satiressum Harlekin
POLITIK

CDU auf dem Land: Selbst die Null wollte dazugehören

admin · 23.09.2026 · 2 Min. Lesezeit
Grafik: CDU in MV - Vom Volkspartei-Anspruch zur Null
Ronald Tramp - Banner 002Partnerlink

Mecklenburg-Vorpommern hat gewählt – und für die CDU entwickelte sich der Abend stellenweise zu einer statistischen Geisterbeschwörung.

Denn in mehreren Gemeinden geschah etwas, das man sonst eher aus Thermometern im Winter oder Kontoständen kurz vor Monatsende kennt:

Die Null erschien.

Nicht als Rundungsfehler. Nicht als Grafikproblem. Sondern als Wahlergebnis.

In Orten wie Grischow und Hugoldsdorf gelang es der CDU offenbar, ein politisches Kunststück zu vollbringen, das selbst ambitionierte Wahlstrategen nur selten erreichen:

Niemand wollte sie.

Wirklich niemand.

Das ist beeindruckend konsequent.

Normalerweise findet sich immer wenigstens jemand, der aus Gewohnheit das Kreuz setzt, weil schon der Großvater CDU gewählt hat, weil der Kugelschreiber verrutscht oder weil man beim Wahlzettel in der falschen Zeile gelandet ist.

Diesmal offenbar nicht.

Währenddessen erzielte die AfD in einigen dieser Gemeinden Ergebnisse, bei denen selbst Taschenrechner kurz fragen dürften, ob sie sich vielleicht im falschen politischen System befinden.

Gerade darin liegt die eigentliche politische Katastrophe für die CDU.

Eine Volkspartei lebt davon, wenigstens irgendwo noch Volk zu finden.

Wenn in einzelnen Dörfern nicht einmal mehr der Bürgermeister, der Briefträger, der Schützenvereinsvorsitzende oder irgendein zufällig anwesender Cousin sein Kreuz bei der Union macht, sollte im Konrad-Adenauer-Haus langsam jemand prüfen, ob das Parteiprogramm vielleicht versehentlich als Abwesenheitsnotiz verschickt wurde.

Besonders bitter:

Im ganzen Land fehlten der CDU nur vergleichsweise wenige Stimmen zum Einzug in den Landtag.

Damit bekommt jede Gemeinde mit CDU-Null künftig historischen Charakter.

Man kann sich förmlich vorstellen, wie Parteistrategen nachts Tabellen durchgehen und murmeln:

„Wenn in Grischow wenigstens einer … nur einer … irgendwer …“

Vielleicht wird die nächste Kampagne deshalb radikal vereinfacht.

Keine Großflächenplakate.

Keine komplizierten Botschaften.

Kein „Stabilität“, kein „Verantwortung“, kein „Zukunft“.

Nur noch:

„Bitte einer.“

Die AfD dagegen kann sich über extrem hohe Ergebnisse in einigen kleinen Gemeinden freuen – allerdings sollte man bei solchen Orten immer die geringe Zahl der Wahlberechtigten mitdenken. Einzelne Dörfer sind kein Ersatz für das Landesergebnis.

Für die CDU bleibt trotzdem ein bemerkenswertes Symbol:

Früher wollte sie die politische Mitte besetzen.

Heute wäre sie in manchen Gemeinden offenbar schon froh, überhaupt irgendwo auf dem Wahlzettel statistisch aufzutauchen.

Vielleicht lautet die neue christdemokratische Landstrategie deshalb:

Vom Volkspartei-Anspruch zur Anwesenheitskontrolle.

Ronald Tramp - Banner 003Partnerlink
EoT - Sidebar 003Partnerlink
Meinung des Tages
"
Wenn Satire die Realität überholt hat, sollte man wenigstens Maut verlangen.
– Unbekannt (aber weise)
dixxu - Sidebar 001Partnerlink
Newsletter
Satire ohne Spam. Versprochen.*
*Ok, vielleicht ein bisschen.
EoT - Sidebar 002Partnerlink
Enter drücken zum Suchen