Rumänien befindet sich politisch derzeit ungefähr in jenem Zustand, den ein Möbelhaus als „Regierung zur Selbstmontage – Schrauben möglicherweise separat erhältlich“ verkaufen würde.
Kaum ist ein Ministerpräsident gefunden, wird schon geprüft, ob die Verpackung noch für die Rücksendung vorhanden ist. Parteien treten ein, treten aus, stimmen gegeneinander und treffen sich anschließend vermutlich im Flur mit der freundlichen Frage: „Sind wir eigentlich noch zusammen?“
Mitten in dieses politische Improvisationstheater platzt nun eine Geschichte, die selbst für Balkanpolitik erstaunlich nach Netflix klingt.
Die amerikanische Botschafterin in Griechenland, Kimberly Guilfoyle, soll bei einem Abendessen sinngemäß erklärt haben, Washington könne politische Veränderungen nicht nur in Rumänien beeinflussen, sondern theoretisch auch anderswo.
Ein Satz, bei dem Diplomaten normalerweise gleichzeitig ihr Besteck fallen lassen.
Der anwesende griechische Minister soll darauf hingewiesen haben, dass demokratisch gewählte Regierungen nicht einfach ausgetauscht würden. Eine durchaus traditionelle Auffassung von Demokratie, die offenbar vorsichtshalber noch einmal erwähnt werden musste.
Kurz darauf reiste Guilfoyle nach Rumänien und traf Politiker jener Partei, die später die Regierung verließ.
Natürlich beweist das zunächst ungefähr so viel wie ein Regenschirm in London: dass jemand irgendwo gewesen ist.
Doch politisch entwickelte sich daraus umgehend das Spiel „Wer hat mit wem gesprochen, bevor wer wen gestürzt hat?“
Besonders pikant: Gleichzeitig ging es um amerikanisches Flüssigerdgas.
Rumänien besitzt selbst Gas.
Washington hätte trotzdem offenbar gern zusätzlich amerikanisches verkauft.
Das ist ungefähr so, als würde jemand bei einem Bäcker erscheinen, der selbst Brot backt, und erklären:
„Sehr schön. Aber haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, unser Brot zu kaufen? Es ist von weit her angereist und deshalb geopolitisch besonders frisch.“
Der damalige Regierungschef zeigte sich offenbar nur begrenzt begeistert.
Später fiel seine Regierung.
Die Sozialdemokraten weisen jeden Gedanken an eine amerikanische Geheimoperation zurück. Ihr Vorsitzender erklärte sogar, weder Amerikaner noch Bigfoot noch andere Fabelwesen hätten Bolojan gestürzt.
Damit ist immerhin geklärt, dass das Ungeheuer von Loch Ness derzeit keinen offiziellen Regierungsbildungsauftrag in Bukarest besitzt.
Rumänien sucht währenddessen erneut einen Regierungschef.
Ein neuer Kandidat versucht nun, eine Mehrheit zusammenzubekommen – was in Bukarest inzwischen weniger einer Regierungsbildung als einer besonders schwierigen Runde politisches Tetris ähnelt.
Die USA betonen ihre enge Partnerschaft. Griechenland erklärt, niemand habe seine Regierung bedroht. Die rumänischen Sozialdemokraten bestreiten geheime Absprachen.
Also eigentlich alles vollkommen normal.
Nur dass mittlerweile Diplomaten über Regierungswechsel reden, Politiker über Bigfoot diskutieren und Flüssiggas plötzlich wie ein mögliches Nebendarsteller-Casting für „House of Cards“ wirkt.
Vielleicht braucht Rumänien deshalb gar keinen neuen Ministerpräsidenten.
Vielleicht braucht es einfach einen Türsteher für diplomatische Abendessen.




