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POLITIK

JD Vance probt schon mal Präsident – aber Trump hat die Bühne noch nicht freigegeben

admin · 12.09.2026 · 2 Min. Lesezeit
Grafik: JD Vance probt 2028 – Trump probt Unsterblichkeit
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Es gibt Wahlkampfreden, Bewerbungsreden und Reden, bei denen jemand 50 Minuten lang sehr ausführlich erklärt, warum er selbstverständlich überhaupt keine Bewerbungsrede hält. JD Vance hat sich beim republikanischen Parteispektakel in Texas für Variante drei entschieden.

Offiziell ging es natürlich um die Kongresswahlen. Inoffiziell fehlten eigentlich nur noch Wahlplakate mit „Vance 2028“, Konfetti und ein Mitarbeiter, der versehentlich schon einmal die Maße der Vorhänge im Oval Office nimmt.

Der US-Vizepräsident präsentierte sich persönlich, emotional und staatstragend. Es ging um Familie, Glauben, Amerika, Gott und die politische Mission. Kurzzeitig entstand der Eindruck, die Vereinigten Staaten seien weniger eine Republik als eine göttlich zertifizierte Immobilie mit exklusivem MAGA-Mietvertrag.

Vance arbeitete sich rhetorisch von persönlichen Erinnerungen über Charlie Kirk bis zu Apostel Paulus vor und erklärte sinngemäß, Amerika habe Anspruch auf ein Erbe Gottes. Damit dürfte auch endgültig geklärt sein, warum normale Haushaltsregeln in Washington gelegentlich so nebensächlich wirken: Wer göttliches Erbrecht besitzt, braucht schließlich keine Excel-Tabelle.

Dann wurde es weniger himmlisch.

Die Demokraten seien die „Partei des Hasses“, Radikale sollten sich von den Kindern fernhalten, und als ein Demonstrant mexikanische und palästinensische Flaggen zeigte, bot Vance spontan an, ihm ein Flugticket nach Mexiko zu kaufen.

Ein bemerkenswertes neues außenpolitisches Instrument: Diplomatie by Ryanair.

Man darf gespannt sein, ob künftig auch Meinungsverschiedenheiten im Senat durch Reisegutscheine beigelegt werden. „Sie stimmen gegen uns? Herzlichen Glückwunsch, Ihr Boarding beginnt in Gruppe 4.“

Als Anhänger schließlich „2028“ riefen, wich Vance elegant aus. Erst müsse man im November „das Notwendige erledigen“, danach könne man überlegen, was komme.

Politisch übersetzt bedeutet das ungefähr:

„Natürlich kandidiere ich nicht. Aber bitte bewahrt die Transparente auf.“

Dann erschien Donald Trump.

Und plötzlich erinnerte sich die Veranstaltung daran, wer momentan Hauptdarsteller ist.

Trump erklärte, sämtliche Wahlversprechen erfüllt und Amerika vom dunklen ins goldene Zeitalter verwandelt zu haben. Anschließend ließ er das Publikum sinngemäß schwören, wählen zu gehen, andernfalls drohe die Hölle.

Damit hat MAGA vermutlich das effizienteste Wahlprogramm der Welt entwickelt: Wählt uns – oder ewige Verdammnis.

Am Ende regneten Luftballons in Rot, Weiß, Blau und Gold.

JD Vance dürfte dabei nach oben geschaut und gedacht haben:

Schöne Farben.

Die könnten 2028 noch einmal gebraucht werden.

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