Großbritannien und die USA verbindet eine sogenannte „Special Relationship“. Das bedeutet traditionell: Man teilt Geheimdienstinformationen, außenpolitische Interessen und gelegentlich die Überzeugung, dass die andere Seite gerade etwas ausgesprochen Merkwürdiges tut.
Diesmal geht es um Apple.
Die britische Regierung möchte Zugriffsmöglichkeiten auf verschlüsselte iCloud-Daten. Apple hält davon ungefähr so viel wie ein Tresorhersteller von der gesetzlichen Verpflichtung, den Generalschlüssel unter die Fußmatte zu legen.
Der Grundgedanke Londons klingt zunächst herrlich praktisch: Verschlüsselung soll sicher sein – außer wenn Behörden hineinmöchten. Dann wäre es hilfreich, wenn sie kurz nicht ganz so sicher wäre.
Das ist technisch ungefähr das Konzept eines wasserdichten U-Boots mit behördlich vorgeschriebenem Loch für Notfälle.
Apple wehrt sich deshalb juristisch. Und weil es bei Geheimdiensten offenbar wenig peinlicher gibt als Öffentlichkeit, findet ein erheblicher Teil des Streits unter Bedingungen statt, bei denen selbst die Geheimhaltung vermutlich geheim gehalten wird.
Nun mischt sich der US-Kongress ein. Politiker beider großer Parteien wollen wissen, was die Briten verlangen und warum Apple ihnen darüber offenbar nur eingeschränkt Auskunft geben darf.
London scheint sinngemäß zu antworten:
„Das können wir Ihnen leider nicht sagen. Aber seien Sie versichert: Auch warum wir es Ihnen nicht sagen können, können wir Ihnen nicht sagen.“
Damit erreicht die Angelegenheit eine diplomatische Qualitätsstufe, bei der selbst Kafka vermutlich nach einem Organigramm verlangen würde.
Besonders pikant ist der Grundkonflikt: Eine Hintertür für die Guten bleibt technisch nicht automatisch für die Bösen verschlossen. Cyberkriminelle und ausländische Nachrichtendienste pflegen nämlich die ausgesprochen unbritische Angewohnheit, sich nicht an die Beschilderung „Nur für Behörden“ zu halten.
Eine absichtlich geschwächte Verschlüsselung wäre daher ungefähr wie ein Haustürschlüssel, den Polizei, Geheimdienst und Eigentümer benutzen dürfen – der aber praktischerweise öffentlich unter einem Blumentopf liegt.
Das britische Innenministerium möchte dennoch offenbar möglichst wenig öffentliche Diskussion über seine Wünsche. Der US-Kongress wiederum findet es bemerkenswert, wenn eine ausländische Regierung einem amerikanischen Unternehmen erklären möchte, worüber es mit amerikanischen Abgeordneten sprechen darf.
So entsteht moderne Digitalpolitik:
Die Regierung verlangt Transparenz von der Cloud.
Apple verlangt Transparenz vom Staat.
Der Kongress verlangt Transparenz von Großbritannien.
Und Großbritannien zieht vorsichtshalber die Vorhänge zu.
Vielleicht ist das am Ende auch die eigentliche britische Innovation:
Die erste Hintertür der Welt, über deren Existenz man nur durch die verschlossene Vordertür diskutieren darf.




