Donald Trump hat wieder einen Wahlbetrug entdeckt! Diesmal in Kalifornien, wo bekanntlich schon der Sonnenschein verdächtig demokratisch ist und selbst die Palmen vermutlich links wählen.
Die amerikanische Regierung hatte eine erschütternde Erkenntnis gewonnen: In Kalifornien könnten Menschen Stimmzettel erhalten haben, die möglicherweise, eventuell und unter Umständen gar nicht wahlberechtigt sind.
Beweise? Noch zu klären.
Verdacht? Gigantisch!
Empörung? Bereits vollständig ausgeliefert!
Das Justizministerium verlangte deshalb, verdächtige Stimmzettel vorsorglich auszusortieren. Schließlich könne man nicht einfach Stimmen zählen, ohne vorher sicherzustellen, dass sie dem Präsidenten politisch ungefährlich werden.
Doch die Gerichte spielten nicht mit.
Nachdem bereits niedrigere Instanzen wenig Begeisterung für die juristische Last-Minute-Wahlzettelgymnastik zeigten, zog die Regierung vor den Supreme Court.
Dort sollte endlich Gerechtigkeit herrschen. Also jene besondere Form von Gerechtigkeit, bei der möglichst das herauskommt, was Donald Trump vorher hineingerufen hat.
Doch dann geschah das Undenkbare: Der Oberste Gerichtshof sagte Nein.
Einfach so!
Ohne goldenen Rahmen, ohne patriotische Pressekonferenz und offenbar sogar ohne vorherige Rücksprache mit Mar-a-Lago.
Die Entscheidung kam derart schnell, dass im Weißen Haus vermutlich nicht einmal ausreichend Zeit blieb, um die üblichen Verschwörungstheorien alphabetisch zu sortieren.
In der fiktiven Trump-Krisenzentrale herrschte Entsetzen.
„Wie kann der Supreme Court gegen uns entscheiden?“, soll ein imaginärer Berater gefragt haben. „Wir haben doch ausdrücklich erklärt, dass wir recht haben!“
Ein anderer schlug vor, künftig auch Richter vor jeder Entscheidung auf ihre amerikanische Staatsbürgerschaft zu überprüfen.
Sicherheitshalber könne man zusätzlich feststellen, ob sie überhaupt berechtigt seien, gegen Trump zu urteilen.
Die besonders unangenehme Pointe: Selbst Richter, von denen sich Trump politische Unterstützung erhofft, sind nicht verpflichtet, seine Wahlbetrugsfantasien juristisch zu vergolden.
Für Kalifornien bedeutet die Entscheidung vor allem, dass die verlangte Sonderbehandlung der umstrittenen Stimmzettel zunächst ausbleibt.
Für Trump bedeutet sie hingegen eine weitere schwere Niederlage im Kampf gegen das gefährlichste Element amerikanischer Wahlen:
Den unvorhersehbaren Willen der Wähler.
Im Weißen Haus wird deshalb möglicherweise bereits an einer revolutionären Wahlrechtsreform gearbeitet.
Künftig sollen Stimmzettel vor dem Einwurf einer patriotischen Gesinnungsprüfung unterzogen werden. Wer Trump unterstützt, gilt als vorbildlicher Staatsbürger. Wer gegen ihn stimmt, wird wegen auffälliger demokratischer Aktivitäten überprüft.
Unentschlossene müssen einen Loyalitätstest absolvieren.
Und wer behauptet, Joe Biden habe die Präsidentschaftswahl gegen Trump gewonnen, wird vorsorglich zur Nachschulung in alternativer Geschichte geschickt.
Das Problem: Auch hierfür könnte der Supreme Court zuständig sein.
Und dieser hat gerade bewiesen, dass er gelegentlich tatsächlich Recht spricht, statt Wunschzettel zu bearbeiten.
Donald Trump wollte Kalifornien beim Zählen auf die Finger schauen.
Am Ende bekam er selbst auf die Finger.
Die amerikanische Demokratie hat damit eine bemerkenswerte Entdeckung gemacht: Man kann einen Wahlbetrug auch dann verlieren, wenn man ihn vorher gar nicht beweisen konnte.




