- Veröffentlicht am
- • Politik
Die strengste Tür der Grünen: Boris Palmer und die Wahlparty mit moralischem Einlasscheck
- Autor
-
-
- Benutzer
- tmueller
- Beiträge dieses Autors
- Beiträge dieses Autors
-
Politische Wahlpartys sind normalerweise eine ziemlich entspannte Angelegenheit. Es gibt Häppchen, Mineralwasser, Wahlstatistiken auf großen Bildschirmen und Menschen, die so tun, als hätten sie das Ergebnis bereits vor drei Monaten exakt so vorhergesagt.
Doch an diesem Abend in Stuttgart entwickelte sich am Eingang einer solchen Veranstaltung ein kleines Drama, das eher an die Tür eines angesagten Nachtclubs erinnerte als an eine demokratische Feier.
Der Grund: Boris Palmer, Oberbürgermeister von Tübingen, ehemalige Größe der Grünen und seit geraumer Zeit ungefähr so beliebt bei Teilen seiner früheren Partei wie ein Grillabend bei der Feuerwehr während einer Dürreperiode.
Der Moment an der Tür
Palmer betrat also die Veranstaltung. Beziehungsweise versuchte es.
Schon im Eingangsbereich traf er laut eigener Darstellung auf zwei junge Männer, die offenbar spontan beschlossen hatten, den Abend als eine Art moralische Einlasskontrolle zu gestalten.
Der Tonfall war nicht gerade das, was man als herzliche Begrüßung bezeichnen würde. Statt „Schön, dass Sie da sind“ gab es sinngemäß die Botschaft:
„Du schadest unserem Spitzenpolitiker. Geh bitte wieder.“
Man stelle sich kurz die Szene vor: Ein Oberbürgermeister steht an der Tür einer politischen Veranstaltung und wird von zwei sehr entschlossenen Nachwuchspolitikern darüber informiert, dass seine Anwesenheit ungefähr so willkommen ist wie ein Presslufthammer in einer Yogastunde.
Der ungebetene Gast
Nun könnte man meinen, ein Mensch würde in dieser Situation höflich nicken, sich umdrehen und in Richtung nächster Dönerbude verschwinden.
Doch Palmer entschied sich für eine andere Strategie.
Er ging einfach hinein.
Dieser Moment verdient besondere Aufmerksamkeit. Denn er zeigt eine erstaunliche Kombination aus politischer Hartnäckigkeit und schwäbischer Gelassenheit.
Man könnte es auch so formulieren: Wenn man schon einmal Oberbürgermeister ist, lässt man sich nicht von zwei empörten Studenten am Eingang aufhalten.
Die Party mit politischer Spannung
Während drinnen vermutlich Wahlergebnisse diskutiert wurden, schwebte über der Veranstaltung plötzlich ein Thema, das mit Prozentzahlen wenig zu tun hatte:
Die Frage, ob Boris Palmer irgendwo im Raum steht.
Politische Veranstaltungen haben nämlich eine besondere Eigenschaft: Wenn eine kontroverse Person auftaucht, verbreitet sich diese Information schneller als kostenloser Kuchen.
Binnen Minuten wissen alle Bescheid.
„Palmer ist da.“
Die Vorgeschichte: Eine komplizierte Beziehung
Die Beziehung zwischen Palmer und seiner früheren Partei ist seit einiger Zeit ungefähr so stabil wie ein Ikea-Regal ohne Schrauben.
Über Jahre hinweg sorgten seine Aussagen immer wieder für Diskussionen. Unterstützer sahen in ihm jemanden, der unbequeme Themen anspricht. Kritiker sahen in ihm einen politischen Störsender mit Dauerbetrieb.
Am Ende verließ er die Partei – allerdings nicht die politische Bühne.
Denn Palmer ist weiterhin Oberbürgermeister von Tübingen und damit eine der bekanntesten kommunalpolitischen Figuren im Südwesten.
Die Grüne Jugend und die moralische Feuerwehr
Besonders kritisch äußert sich seit längerem die Grüne Jugend, die Palmer politisch ungefähr so enthusiastisch betrachtet wie Veganer eine Wurstfabrik.
Nach der Wahl machte die Nachwuchsorganisation deutlich, dass sie Palmer weder als Minister noch als Berater in einer zukünftigen Landesregierung sehen möchte.
Der Grund: Seine Positionen und Aussagen seien mit den Grundwerten der Partei nicht vereinbar.
Die Botschaft ist klar formuliert.
Wenn Politik ein Wohnzimmer wäre, würde die Grüne Jugend sagen: „Der kommt uns nicht mehr aufs Sofa.“
Einlasskontrolle als politisches Konzept
Der Vorfall am Eingang der Wahlparty zeigt eine interessante Entwicklung moderner Parteipolitik.
Früher stritten sich Parteien in langen Sitzungen über Programme, Strategien und Personal.
Heute kann eine politische Auseinandersetzung offenbar auch direkt an der Tür beginnen.
Es ist eine Art politischer Türsteher-Logik entstanden:
„Stehst du auf der Liste?“ „Welche Liste?“ „Die moralische.“
Palmer als politischer Spezialeffekt
Boris Palmer besitzt eine besondere Fähigkeit: Er kann allein durch seine Anwesenheit eine Diskussion auslösen.
Man muss ihn nicht einmal hören.
Es reicht, dass er irgendwo auftaucht.
In politischen Kreisen ist das eine seltene Superkraft. Andere Politiker müssen erst lange Reden halten, um Aufmerksamkeit zu bekommen.
Palmer muss nur durch eine Tür gehen.
Die Frage der Zugehörigkeit
Der kleine Zwischenfall wirft auch eine größere Frage auf: Wer entscheidet eigentlich, wer noch zur politischen Familie gehört?
Ist es die Parteiführung? Die Basis? Oder die zwei engagierten Menschen am Eingang einer Wahlparty?
Politik besteht schließlich nicht nur aus Programmen und Abstimmungen, sondern auch aus Symbolen.
Und ein ehemaliges Parteimitglied, das bei einer Wahlparty auftaucht, kann plötzlich zu einem solchen Symbol werden.
Ein Abend, der in Erinnerung bleibt
Während im Saal vermutlich über Koalitionen, Mehrheiten und zukünftige Regierungskonstellationen diskutiert wurde, spielte sich am Eingang eine Szene ab, die eher an eine Theaterkomödie erinnerte.
Ein Oberbürgermeister, der einfach reingeht. Zwei junge Parteimitglieder, die ihn wieder rauskomplimentieren wollen. Und eine Wahlparty, die plötzlich eine Nebenhandlung bekommt.
Man könnte sagen: Die Demokratie hat an diesem Abend ein neues Format getestet.
Die Wahlparty als Casting-Show.
Die moralische Pointe
Der Vorfall zeigt vor allem eines: Politik ist selten langweilig.
Selbst eine ganz normale Wahlparty kann plötzlich zu einem politischen Theaterstück werden – mit dramatischem Eingang, spontanen Dialogen und einer Hauptfigur, die sich weigert, die Bühne zu verlassen.
Und irgendwo im Hintergrund standen wahrscheinlich Menschen mit Häppchen in der Hand und fragten sich:
„Moment… war das gerade Teil des Programms?“