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Berlin hat gewählt – jetzt beginnt die große Koalitions-WG

admin · 20.09.2026 · 2 Min. Lesezeit
Grafik: Berlin-Wahl - Willkommen in der Koalitions-WG
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Berlin hat gewählt – und die Hauptstadt beweist erneut, dass sie sogar aus einer simplen Stimmabgabe ein mehrwöchiges Verwaltungsprojekt machen kann.

Große Gewinnerin des Abends ist die Linke. Sie legt kräftig zu und liegt nach den Hochrechnungen vor der bislang regierenden CDU. Spitzenkandidatin Elif Eralp erklärte bereits ihre Bereitschaft, Regierungsverantwortung zu übernehmen.

Damit steht Berlin möglicherweise vor einem politischen Phänomen, das in der Hauptstadt bislang nur aus der Theorie bekannt war:

Jemand gewinnt eine Wahl und möchte anschließend tatsächlich regieren.

Die CDU wiederum hat deutlich verloren. Ihr Spitzenkandidat Stefan Evers räumte die Niederlage ein, fand im Ergebnis aber zugleich noch etwas Ermutigendes.

Das gehört zum Standardprogramm deutscher Wahlabende.

Bei starken Verlusten heißt es nie:

„Die Leute wollten uns offenbar nicht.“

Stattdessen lautet die Analyse ungefähr:

„Unter Berücksichtigung der schwierigen Großwetterlage, des Sonnenstands und der Tatsache, dass heute Sonntag war, erkennen wir ein stabiles Fundament für zukünftige Gestaltungskraft.“

Besonders spektakulär ist allerdings der Absturz der SPD.

Die Partei, die Berlin jahrzehntelang politisch geprägt hat, landet nach den Hochrechnungen hinter Linken, CDU, Grünen und AfD. Spitzenkandidat Steffen Krach sprach selbst von einem „katastrophalen Ergebnis“ und einer Zäsur.

Berlin könnte damit bald die einzige Hauptstadt Europas sein, in der die SPD nostalgisch erklären muss:

„Früher waren wir hier mal so etwas wie eine Volkspartei.“

Die Grünen verlieren ebenfalls leicht, träumen aber bereits von einem rot-grün-roten Bündnis mit Linken und SPD.

Das klingt zunächst nach Politik.

In Berlin bedeutet es vermutlich eher:

drei Parteien, fünf Arbeitsgruppen, zwölf Sondervermögen und eine gemeinsame Pressekonferenz, auf der anschließend niemand genau sagen kann, wer eigentlich welche Fahrradspur beschlossen hat.

Auch die AfD legt zu, bleibt aber hinter mehreren anderen Parteien. Das dürfte trotzdem ausreichend Material liefern, um das Ergebnis gleichzeitig als historischen Durchbruch und Beleg für die völlige politische Ausgrenzung zu interpretieren.

Ein bemerkenswert effizientes Konzept:

Gewinnt man Stimmen, hat das Volk gesprochen. Regiert man trotzdem nicht, wurde das Volk offenbar überhört.

Beim BSW wiederum entscheidet sich der politische Abend möglicherweise an der Prozenthürde. Parteimitglieder dürften deshalb derzeit auf Hochrechnungen starren wie Flugreisende auf eine Anzeigetafel mit dem Hinweis:

„Gate wird noch bekannt gegeben.“

Nun beginnt also die Berliner Königsdisziplin:

Koalitionsverhandlungen.

Parteien, die sich gestern noch gegenseitig erklärt haben, warum die jeweils anderen Berlin ruinieren würden, setzen sich bald zusammen und entdecken überraschend viele Gemeinsamkeiten.

Denn nichts verbindet politische Gegner zuverlässiger als die Aussicht auf einen Senatsposten.

Berlin bekommt also möglicherweise einen politischen Neuanfang.

Oder, wie man in der Hauptstadt sagt:

denselben Umbau wie immer – nur diesmal mit anderen Bauleitern.

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