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POLITIK

Recht für alle – außer für Leute, die Trump kennt

admin · 10.10.2026 · 2 Min. Lesezeit
Grafik: Washington sanktioniert den Rechtsstaat in Den Haag
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Washington hat ein neues Konzept für internationale Gerechtigkeit vorgestellt: Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich, sofern sie nicht vorher beim Präsidenten auf der Gästeliste stehen. Für diesen Personenkreis gilt selbstverständlich die gehobene Rechtsstaatlichkeit mit bevorzugtem Check-in und garantiertem Freispruch vor Beginn der Ermittlungen.

In der geschilderten Nachrichtenlage erhält Navi Pillay den Friedensnobelpreis, während der Internationale Strafgerichtshof Sanktionen bekommt. Die Welt ehrt den Einsatz für internationale Justiz; Washington prüft, ob sich deren Stromrechnung blockieren lässt. So unterschiedlich können Gratulationskarten ausfallen.

Im satirischen Weißen Haus herrscht Empörung über die Dreistigkeit unabhängiger Richter, unabhängig zu entscheiden. Außenminister Marco Rubio erklärt einem Globus, internationale Institutionen müssten endlich verstehen, dass amerikanische Souveränität überall gelte, internationale Zuständigkeit dagegen vorzugsweise in einem abschließbaren Besenschrank.

Der Globus schweigt. Ein diplomatischer Erfolg.

Besonders verstörend findet Washington offenbar die Vorstellung, dass ein Gericht auch Verbündete untersuchen könnte. Im imaginären Justizministerium wird deshalb eine Weltkarte entwickelt, auf der Länder nach ihrer juristischen Erreichbarkeit eingefärbt sind: Freunde erhalten Immunität, Gegner Ermittlungen und Unentschlossene zunächst einen Anruf mit schwerem Atmen.

Die Sanktionen sollen dem Gericht Dienstleistungen entziehen. Das ist die außenpolitische Variante eines Mannes, der nach einer Geschwindigkeitskontrolle dem Ordnungsamt das Internet kündigen lässt. „Wenn die unsere Akte öffnen, öffnen wir deren Softwarelizenz nicht mehr“, erläutert ein erfundener Berater. Anschließend wird geprüft, ob sich die Unschuldsvermutung als amerikanisches Patent anmelden lässt.

In Den Haag hat man sich laut Vorlage bereits nach technischen Alternativen umgesehen. Die satirische Pointe liefert sich praktisch selbst: Eine Weltmacht droht der Justiz mit digitaler Isolation, und die Justiz antwortet mit Linux.

Auf einem Bildschirm erscheint die Frage, ob die Änderungen gespeichert werden sollen. Washington beantragt vorsorglich ein Vetorecht.

Auch Europas Regierungen sollen das Gericht „zügeln“. Im erfundenen diplomatischen Übersetzungsbüro bedeutet das: Die Justiz bleibt unabhängig, solange die Politik rechtzeitig die Leine strafft. Für gemeinsame Pressefotos wird das Tier anschließend wieder freigelassen.

Ein europäischer Unterhändler fragt vorsichtig, ob Rechtsstaatlichkeit nicht gerade darin bestehe, politische Wünsche auszuhalten. Daraufhin wird sein Mikrofon als feindseliger Dienstleister eingestuft.

Zur Lösung des Konflikts schlägt Washington schließlich eine Reform vor: Richter dürfen weiterhin urteilen, müssen aber vorher bestätigen, dass das Ergebnis niemanden überrascht, der einen Golfplatz besitzt.

Die Statue der Justitia bekommt dazu eine neue Ausstattung. Die Waage bleibt, das Schwert bleibt ebenfalls. Nur die Augenbinde wird durch eine Gesichtserkennung ersetzt.

Denn ob jemand vor Gericht gehört, soll künftig zuverlässig daran erkannt werden, ob Trump ihn kennt.

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Wenn Satire die Realität überholt hat, sollte man wenigstens Maut verlangen.
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