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POLITIK

Brexit aus Moskau: Putin klickte, London lieferte

admin · 12.10.2026 · 2 Min. Lesezeit
Grafik: Brexit aus Moskau: Bots, Busse und britisches Chaos
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Moskau bestätigt angeblich Brexit-Hilfe – Großbritannien sucht noch die Bedienungsanleitung

Großbritannien hat möglicherweise endlich herausgefunden, warum der Brexit so gelaufen ist, wie der Brexit eben gelaufen ist: Russland soll mitgemischt haben.

Damit bekommt die britische EU-Scheidung nachträglich eine zusätzliche Pointe. Jahrelang galt der Brexit als Ergebnis einer komplizierten Mischung aus politischem Frust, nationalem Pathos, roten Bussen, großen Versprechen und der britischen Spezialdisziplin, Probleme zunächst selbst zu produzieren und anschließend mit bemerkenswerter Würde auf das Ergebnis zu schauen.

Nun kommt Russland ins Spiel.

Premierminister Andy Burnham erklärte, eine russische Einmischung habe es gegeben. Wie genau diese aussah, blieb allerdings offen. Das eröffnet faszinierende Möglichkeiten.

Vielleicht saß irgendwo in Moskau ein Beamter vor einem Laptop und dachte: „Wie bringen wir die Briten dazu, sich freiwillig jahrelang mit Zollformularen, Lieferketten und Nordirland-Protokollen zu beschäftigen?“

Die Antwort lautete offenbar: Internet.

Das wäre zumindest effizienter als jede klassische Geheimdienstoperation. Früher brauchte man Spione, tote Briefkästen und Männer mit Hüten. Heute genügt möglicherweise ein Account mit britischer Flagge, einem schlecht geschnittenen Löwenbild und dem Profilnamen „RealPatriotNigel_Official“.

Besonders beruhigend ist, dass nun auch Deutschland und Frankreich gewarnt werden. Dort gebe es ebenfalls russische Desinformation.

Das dürfte deutsche Sicherheitsbehörden wenig überraschen. Das Internet besteht schließlich zu erheblichen Teilen aus Katzenvideos, Kochrezepten und Menschen, die mit beeindruckender Überzeugung erklären, warum sämtliche Probleme Europas exakt durch jene politische Theorie verursacht werden, die sie gestern Nachmittag in einem Messenger-Kanal entdeckt haben.

Die eigentliche Schwierigkeit liegt inzwischen weniger darin, russische Desinformation zu erkennen.

Schwieriger ist die Unterscheidung zwischen ausländischer Einflussnahme und ganz gewöhnlichem heimischem Unsinn.

Wenn jemand behauptet, die EU wolle künftig Gartenzwerge registrieren, könnte das aus Moskau stammen.

Es könnte aber ebenso problemlos aus einer deutschen Facebook-Gruppe namens „WIR SAGEN NOCH WAS WIR DENKEN!!!“ kommen.

Für Großbritannien bleibt immerhin eine tröstliche Erkenntnis: Sollte Russland beim Brexit tatsächlich nachgeholfen haben, war das Ergebnis ein geopolitisch bemerkenswertes Gemeinschaftsprojekt.

Moskau lieferte möglicherweise die Desinformation.

Britische Politiker lieferten die Versprechen.

Und die Bevölkerung bekam anschließend das Komplettpaket.

Mit Zollpapieren.

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