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POLITIK

Die revolutionäre Skandalabwehr: Erst das Foto, dann die Kampagne

admin · 26.09.2026 · 2 Min. Lesezeit
Grafik: Erst das Foto, dann die Kampagne
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Die deutsche Politik hat ein neues Verfahren zur Krisenkommunikation entdeckt.

Früher galt: Vorwurf – Erklärung – Aufklärung – Konsequenz.

Heute geht das deutlich effizienter:

Vorwurf – Kampagne!

Ferat Koçak von der Linken befindet sich derzeit in jener unangenehmen politischen Lage, in der erstaunlich viele Fotos, Chats und Erklärungsbedürfnisse gleichzeitig im Raum stehen. Da waren Bilder von einer Wahlparty, Kontakte ins Umfeld der Familie Remmo und ein Foto mit einem umstrittenen Aktivisten. Koçak erklärte, Hintergründe teilweise nicht gekannt zu haben, entschuldigte sich für einen Chatkontakt und lässt Funktionen vorerst ruhen.

Eigentlich könnte nun diese altmodische Sache beginnen, die man früher „politische Aufarbeitung“ nannte.

Doch Teile der Partei besitzen offenbar bereits ein moderneres Betriebssystem.

Der Stuttgarter Kreisverband meldete eine „rassistische Kampagne“.

Damit erreicht die politische Kommunikation eine beeindruckende Evolutionsstufe:

Nicht mehr der Politiker muss erklären, weshalb bestimmte Kontakte zumindest erklärungsbedürftig erscheinen.

Nun muss der Fragesteller erklären, weshalb er überhaupt gefragt hat.

Ein geradezu geniales Verfahren.

Sollte künftig ein Minister mit einem Koffer voller Bargeld fotografiert werden, könnte man selbstverständlich zunächst prüfen, wem der Koffer gehört.

Oder man erklärt die Berichterstattung zur kofferfeindlichen Hetzkampagne gegen Menschen mit Gepäckhintergrund.

Auch Koçaks frühere Geschichte um einen selbst gebastelten „Bundestagsausweis“ fügt sich wunderbar in dieses politische Gesamtkunstwerk. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der Urkundenfälschung; Koçaks Büro bezeichnete das Stück als Requisite für ein Internetvideo, die einem echten Bundestagsausweis ausdrücklich nicht ähneln sollte.

Deutschland bekommt damit womöglich eine neue Kategorie politischer Erklärung:

Es war keine Affäre. Es war Content.

Selbst innerhalb der Linken scheint dieser Ansatz allerdings nicht überall Begeisterung auszulösen. Petra Pau erklärte öffentlich, sie könne nicht länger an Naivität glauben.

Das ist problematisch.

Denn Naivität ist in der Politik ein wertvoller Rohstoff.

Sie erklärt Fotos, Chats, Begegnungen und gelegentlich komplette Wahlprogramme.

Vielleicht braucht die Partei deshalb dringend eine neue Kommission.

Arbeitstitel:

Arbeitsgruppe zur diskriminierungsfreien Unterscheidung zwischen unglücklichem Zufall, politischem Fehler und rassistischer Kampagne.

Bis deren Abschlussbericht vorliegt, gilt vorsorglich:

Wer Fragen stellt, sollte vorher prüfen, ob die Frage möglicherweise bereits Teil des Problems ist.

Und wer fotografiert wird, kann beruhigt bleiben.

Im Zweifel war nicht das Foto ungünstig.

Das Licht war politisch voreingenommen.

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