Nachrichten, die zum Nachdenken anregen*
*Oder zum Lachen. Oder beides.
Satiressum Harlekin
POLITIK

Nord Stream der Gefühle: Wenn Außenpolitik zur Gastherme wird

admin · 19.09.2026 · 2 Min. Lesezeit
Grafik: Nord Stream der Gefühle: AfD trifft Putins Umfeld
Ronald Tramp - Banner 001Partnerlink

Deutschland diskutiert wieder über russisches Gas.

Offenbar hat jemand beschlossen, dass die energiepolitische Vergangenheit noch nicht ausreichend kompliziert war und dringend eine Fortsetzung verdient.

Berichten zufolge könnte sich die AfD-Spitze mit einem engen Wirtschaftsberater Wladimir Putins treffen, um über eine Wiederaufnahme russischer Gaslieferungen zu sprechen. Als mögliche Treffpunkte kursieren verschiedene Länder außerhalb Deutschlands.

Das ist diplomatisch durchaus praktisch.

Denn wenn man schon über deutsche Energiepolitik spricht, ohne dafür zuständig zu sein, kann man es konsequenterweise auch irgendwo anders tun.

Die AfD dürfte damit ein völlig neues außenpolitisches Konzept erfunden haben:

Regieren ohne Regierungsbeteiligung.

Alice Weidel und Tino Chrupalla könnten also künftig am internationalen Verhandlungstisch sitzen und darüber beraten, wie Deutschland wieder Gas bekommt.

Die Bundesregierung wiederum besitzt den kleinen bürokratischen Nachteil, tatsächlich für solche Fragen zuständig zu sein.

Man kann sich die Szene ungefähr vorstellen:

Moskau legt einen Gasvertrag auf den Tisch.

Die AfD nickt bedeutungsvoll.

Dann fragt jemand:

„Und wer unterschreibt?“

Kurze Stille.

Sehr lange Stille.

Schließlich bestellt jemand Kaffee.

Besonders nostalgisch wirkt dabei die Vorstellung, einfach wieder russisches Gas durch Leitungen zu schicken und anschließend so zu tun, als habe die jüngere europäische Geschichte lediglich wegen Wartungsarbeiten kurz pausiert.

Energieabhängigkeit bekommt damit den Charme einer toxischen Beziehung:

„Ja, beim letzten Mal lief es nicht optimal. Aber vielleicht hat sich die Pipeline inzwischen geändert.“

Kritiker aus CDU und Grünen warnen entsprechend vor einer erneuten Abhängigkeit von Moskau. Das ist zumindest jener Teil der Debatte, bei dem die Vergangenheit höflich räuspert und auf sich selbst zeigt.

Für die AfD wiederum wäre das Treffen eine Gelegenheit, außenpolitische Kompetenz zu demonstrieren.

Oder zumindest zu demonstrieren, dass man Menschen kennt, die außenpolitische Telefonnummern besitzen.

Und dann wären da noch die USA.

Aus dem Umfeld Donald Trumps sollen Vertreter bislang weder informiert noch eingeladen worden sein.

Das könnte Trump persönlich treffen.

Schließlich gibt es kaum etwas Gefährlicheres für die internationale Diplomatie als ein Treffen, auf dem über Energie, Russland und Deutschland gesprochen wird, ohne dass jemand vorher fragt, ob er es nicht nach ihm benennen möchte.

Im schlimmsten Fall fordert er anschließend eine eigene Pipeline.

Natürlich größer.

Natürlich schöner.

Und vermutlich mit goldenen Ventilen.

So bekommt Deutschland möglicherweise bald ein neues energiepolitisches Schauspiel:

Russland liefert das Gas.

Die AfD liefert die Gesprächsidee.

Die Bundesregierung liefert die Zuständigkeitsfrage.

Europa liefert das Importverbot.

Und der Bürger liefert am Ende wieder das Geld.

Fehlt eigentlich nur noch der Installateur.

Denn bevor irgendjemand Nord Stream wieder aufdreht, sollte vielleicht wenigstens jemand prüfen, ob Deutschlands außenpolitische Gastherme überhaupt noch TÜV hat.

EoT - Banner 002Partnerlink
EoT - Sidebar 003Partnerlink
Meinung des Tages
"
Wenn Satire die Realität überholt hat, sollte man wenigstens Maut verlangen.
– Unbekannt (aber weise)
Ronald Tramp - Sidevar 001Partnerlink
Newsletter
Satire ohne Spam. Versprochen.*
*Ok, vielleicht ein bisschen.
Ronald Tramp - Sidebar 002Partnerlink
Enter drücken zum Suchen