Washington hat eine neue Friedensstrategie entdeckt. Sie besteht im Wesentlichen darin, so lange Sanktionen, Zölle und wirtschaftliche Fußangeln auf den Globus zu werfen, bis irgendwo jemand erschöpft „Na gut!“ ruft.
Donald Trump unterzeichnete das neue Sanktionsgesetz gegen Russland, mit dem der wirtschaftliche Druck auf Moskau wegen des Kriegs gegen die Ukraine deutlich erhöht werden soll. Das Gesetz eröffnet zugleich die Möglichkeit, wichtige Handelspartner russischer Energieexporte mit zusätzlichen Zöllen zu belegen.
Damit erlebt die internationale Diplomatie eine bemerkenswerte Modernisierung. Früher gab es Botschafter, Gipfeltreffen und komplizierte Vertragswerke. Heute öffnet Washington offenbar einfach den großen Zollkoffer und fragt: „Wer kauft hier eigentlich noch russisches Öl?“
China und Indien dürften deshalb demnächst vorsichtshalber hinter jeder amerikanischen Handelsdelegation einen Taschenrechner vermuten. Denn wer weiterhin umfangreich russische Energie kauft, könnte künftig wirtschaftlichen Gegenwind aus Washington bekommen. Beide Länder haben entsprechende Maßnahmen bereits kritisch kommentiert.
Im Kreml reagierte man erwartungsgemäß ungefähr so entspannt wie ein Kater auf einen Staubsauger.
Dort gelten die neuen Maßnahmen als feindselig. Aus dem politischen Umfeld Moskaus kamen erneut martialische Warnungen. Das gehört inzwischen offenbar zum diplomatischen Grundinventar: Washington verschickt Sanktionen, Moskau verschickt Drohungen, und irgendwo zwischen beiden versucht die Weltwirtschaft herauszufinden, ob sie morgen noch denselben Liefervertrag besitzt.
Besonders eindrucksvoll bleibt dabei Trumps außenpolitisches Multifunktionswerkzeug: der Zoll.
Andere Präsidenten hatten Außenminister. Trump hat Prozentzeichen.
Ein Handelskonflikt? Zoll.
Ein geopolitischer Gegner? Zoll.
Ein Land handelt mit dem geopolitischen Gegner? Doppelzoll mit diplomatischem Beilagensalat.
Fehlt eigentlich nur noch ein präsidiales Bonusprogramm: Wer genügend amerikanisches Flüssiggas kauft, erhält nach zehn Lieferungen einen kostenlosen Handelsdelegierten.
Für die Ukraine bedeutet das neue Gesetz allerdings ganz real zusätzlichen politischen und wirtschaftlichen Druck auf Russland. Kiew begrüßte die Entscheidung ausdrücklich.
Damit steht die Welt nun vor einer faszinierenden neuen Form der Friedensdiplomatie: Russland soll wirtschaftlich unter Druck geraten, China und Indien sollen ihre Energiepolitik überdenken, Europa darf möglicherweise mitbezahlen – und Trump darf dabei etwas tun, was ihm politisch ungefähr so viel Freude bereitet wie anderen Menschen ein überraschend freier Nachmittag:
Zölle verhängen.
Sollte dadurch tatsächlich Frieden entstehen, dürften Historiker eines Tages vor einem gewaltigen Rätsel stehen.
Nicht wegen der Geopolitik.
Sondern weil sie erklären müssen, wie die Menschheit irgendwann beschloss, internationale Konflikte mit einem Zollformular zu bekämpfen.
Teaser
SEO-Titel
Meta-Beschreibung
Meta-Schlagwörter
OG-Titel
OG-Beschreibung




