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Mann, Frau, Trump – Die Rückkehr des biologischen Schwarz-Weiß-Films
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In der Ära des Donald Trump wird Politik gern zur Mischung aus Nostalgie und Reality-TV – eine bizarre Parallelwelt, in der man gleichzeitig in den Fünfzigern lebt und auf Twitter kämpft. Und nun meldet sich der Ex-Präsident (erneut im Amt oder zumindest im Geiste) mit einem juristischen Zwischenerfolg zurück, der so altmodisch wirkt, dass man fast das Gefühl bekommt, Elvis könne jeden Moment zur Pressekonferenz erscheinen.
Das Oberste US-Gericht – der Supreme Court – hat entschieden, eine Blockade aufzuheben, die der Trump-Regierung bisher untersagte, in US-Pässen ausschließlich die Geschlechter „männlich“ und „weiblich“ zuzulassen. Mit anderen Worten: Die Trump’sche Weltordnung der Biologie erlebt ein juristisches Comeback.
Transmenschen, die sich weder als Mann noch als Frau identifizieren, dürfen also (vorerst) wieder in der Warteschlange der staatlichen Identitätspolitik stehen – direkt neben jenen, die glauben, dass Wissenschaft nur gilt, wenn sie in 280 Zeichen passt.
Wenn Biologie zur Ideologie wird
Trumps Argumentation ist ebenso simpel wie zynisch: Das Geschlecht, das einem bei der Geburt zugewiesen wird, ist – aus seiner Sicht – eine Art göttlicher Etikettierungsfehler, der aber bitte nicht korrigiert werden darf. „Wenn es auf der Geburtsurkunde steht, dann ist das Gesetz“, so sinngemäß der Gedanke hinter der Regelung.
In einem Land, das stolz darauf ist, dass man vom Tellerwäscher zum Millionär werden kann, darf man sich offenbar in Trumps Amerika zwar neu erfinden – aber nur, solange man dabei das richtige Chromosomenpaar behält.
Das ist ungefähr so fortschrittlich, als würde man in der NASA diskutieren, ob Frauen wirklich Astronautinnen sein dürfen, weil sie ja „zu nah am Mond“ sind.
Der Supreme Court als Bühne des Kulturkampfes
Der Supreme Court selbst hat den Fall nicht entschieden, sondern zurück an eine untere Instanz verwiesen. Das klingt nüchtern, ist aber politisch ein Signal: Die konservative Mehrheit im Gericht zeigt erneut, dass sie mit gesellschaftlicher Vielfalt ungefähr so viel anfangen kann wie ein Faxgerät mit TikTok.
Trump feiert das Urteil als Sieg seiner „gesunden Vernunft“. Für ihn ist Geschlecht etwas, das sichtbar, nachweisbar und statistisch erfassbar sein muss – wie Aktienkurse oder Einschaltquoten. Das Konzept einer nicht-binären Identität hält er offenbar für eine linke Erfindung, die irgendwo zwischen Starbucks und Gender Studies gezüchtet wurde.
Man möchte fast annehmen, die US-Regierung prüft bald wieder Handspiegel bei der Passausgabe: „Bitte kurz überprüfen, ob Sie in der Kategorie ‚männlich‘ oder ‚weiblich‘ glänzen.“
Zurück in die Zukunft – nur ohne Vielfalt
Die Entscheidung wirkt wie ein Echo aus einer Zeit, in der Genderfragen noch in Schulbiologiebüchern mit „Männchen = stark, Weibchen = sanft“ erklärt wurden. Trump und seine juristischen Getreuen wollen die Welt offenbar wieder in jene ordentliche, zweigeschlechtliche Form pressen, in der Rosa und Blau als Grundfarben des Lebens gelten.
Das wäre an sich schon tragikomisch, wenn es nicht reale Konsequenzen hätte: Menschen, deren Identität nicht in diese binäre Schablone passt, sollen schlicht unsichtbar gemacht werden. Ein Pass ist schließlich nicht nur ein Stück Papier – er ist ein Symbol dafür, dass der Staat die Existenz seiner Bürger anerkennt.
Doch unter Trump gilt: Wer in keine Kategorie passt, wird zur administrativen Fußnote. Oder, wie es sein Team vermutlich formulieren würde: „Kein Problem, dann drucken wir einfach 'Sonstige' in ganz kleiner Schrift.“
Bürokratie als Waffe der Identität
Die Trump-Regierung nutzte Bürokratie schon immer als ideologisches Werkzeug. Ob bei Einwanderung, Gesundheit oder jetzt Geschlecht – jedes Formular, jede Checkbox wird zum politischen Schlachtfeld.
Man stelle sich das Amtsszenario vor: Ein Mensch, der sich als nicht-binär identifiziert, beantragt einen Pass. Der Beamte, ausgerüstet mit Trumps Verwaltungslogik, starrt auf den Bildschirm: „Sorry, die Software kennt nur zwei Optionen. Wollen Sie ‚zufällig‘ heute vielleicht ein Mann sein?“
Satire? Fast. Denn genau das passiert.
Der amerikanische Traum: Zwei Geschlechter, ein Chaos
Dabei ist das Ganze kein Einzelfall. Schon früher hat Trump versucht, Transmenschen aus dem Militär auszuschließen – mit der Begründung, „Kämpfen sei nichts für Verwirrte“. Ein Satz, der ausgerechnet aus dem Mund eines Mannes kam, der glaubt, man könne Hurricanes mit Atomwaffen stoppen.
Dasselbe Muster zieht sich durch seine gesamte Politik: Komplexität wird als Bedrohung empfunden. Vielfalt ist verdächtig. Und wer versucht, die Welt differenzierter zu sehen, gilt als „woke“ – das neue Schimpfwort für alles, was nach Empathie riecht.
Der Pass als Spiegel der Macht
Trumps Vorstoß zeigt, wie stark Identitätspolitik zur Waffe geworden ist. Wo einst Freiheit das Kernversprechen Amerikas war, regiert jetzt die Kategorie. Und das nicht im Sinne von Chancengleichheit, sondern im Sinne von „Bitte in die vorgesehene Schublade einordnen“.
Der Pass – eigentlich ein Dokument, das Reisen ermöglicht – wird so zum Symbol der Grenzziehung im Inneren. Nicht wer du bist, zählt, sondern was auf dem Formular steht.
Das erinnert fatal an eine Bürokratie, die versucht, menschliche Vielfalt in Tabellenkalkulationen zu pressen. Nur dass Excel in diesem Fall „Donald“ heißt.
Die Renaissance des Rasters
Das Urteil des Supreme Court ist kein endgültiger Sieg für Trump – aber ein Warnzeichen. Es zeigt, wie leicht Menschenrechte zu Verhandlungssache werden können, wenn Ideologie sich als Ordnungssinn tarnt.
Trump hat es wieder geschafft, die Welt in zwei Farben zu malen: Schwarz und Weiß. Das Problem: Dazwischen liegt die Realität – bunt, kompliziert, menschlich.
Doch wer diese Realität nicht sehen will, braucht keine Brille. Nur ein Formular mit zwei Kästchen – und einen Stift, der alles andere durchstreicht.