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Zurück auf den Mond – diesmal ganz bestimmt, wirklich, endgültig

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Zurück auf den Mond – diesmal ganz bestimmt, wirklich, endgültig

Die Vereinigten Staaten wollen wieder auf den Mond. Das ist zunächst keine Neuigkeit, sondern eher eine politische Jahreszeit wie Frühjahrsputz oder Haushaltsdebatten. Neu ist allerdings, dass US-Präsident Donald Trump diesen Wunsch nun erneut schriftlich fixiert hat. Per Dekret wurden die Raumfahrt-Prioritäten seiner Regierung festgelegt, was dem Projekt eine zusätzliche Gravitation verleiht. Wenn etwas im All schon schwerelos ist, soll es wenigstens auf der Erde amtlich wirken.

Bis spätestens 2028, so das Dokument mit dem Titel „Sicherstellen der amerikanischen Überlegenheit im All“, sollen wieder US-Amerikaner auf dem Mond landen. Danach ist ein dauerhafter Außenposten geplant. Ergänzend dazu sollen die amerikanischen Verteidigungskapazitäten im All gestärkt werden. Der Mond wird damit endgültig vom romantischen Nachthimmelsobjekt zum sicherheitspolitischen Vorgarten umdeklariert. Wer dort sitzt, sieht schließlich alles – und wird gesehen.

Aufmerksame Beobachter könnten an dieser Stelle kurz stutzen. „Wieder“ auf dem Mond? Waren die Amerikaner nicht schon dort? Mehrfach sogar? Mit wehender Flagge, klobigen Raumanzügen und sehr entschlossenen Sprüngen in Zeitlupe? Offiziell ja. Historisch ja. Filmisch ebenfalls ja. Und doch haftet diesem „Zurückkehren“ seit Jahrzehnten ein zarter Zweifel an, der sich hartnäckig hält wie Staub in einer Raumkapsel. Wenn man schon einmal dort war, warum muss man es dann alle paar Jahre neu ankündigen, neu beweisen und neu erklären?

Genau hier setzt die neue Raumfahrt-Offensive an. Sie will nicht nur landen, sondern bleiben. Ein dauerhafter Außenposten soll entstehen, was implizit bedeutet: Diesmal wird alles besser dokumentiert, stabiler gebaut und dauerhaft bewohnt. Man könnte es auch so formulieren: Wenn man schon Zweifel an der Vergangenheit nicht vollständig ausräumen konnte, dann eben durch Gegenwart auf Betonbasis. Ein Außenposten lügt schließlich nicht. Er steht da. Hoffentlich.

Umgesetzt werden soll das Ganze im Rahmen des Artemis-Programms der NASA, das bereits seit 2017 die Rückkehr von US-Astronauten zum Mond plant. Der symbolische Kern dieses Vorhabens ist die Mission Artemis 3, mit der erstmals seit über 50 Jahren wieder Menschen auf der Mondoberfläche landen sollen. Aktuell ist sie für 2027 angesetzt – ein Termin, der so ehrgeizig ist, dass er vorsorglich schon mal als „vorläufig“ betrachtet wird.

Denn Raumfahrt ist bekanntlich kein Feld, in dem Zeitpläne besonders zuverlässig sind. Raketen haben die unangenehme Eigenschaft, physikalischen Gesetzen mehr zu vertrauen als politischen Ankündigungen. In der Vergangenheit wurden die einzelnen Artemis-Etappen mehrfach verschoben, angepasst oder neu kalkuliert. Das ist in der Raumfahrt normal, wird aber im politischen Raum gerne als „Feinjustierung“ bezeichnet, um das Wort „Verzögerung“ nicht zu sehr zu strapazieren.

Zusätzliche Aufmerksamkeit erhält das Projekt durch eine personelle Entscheidung, die ebenfalls Raum für Interpretation lässt. Die NASA wird inzwischen von Jared Isaacman geleitet – Milliardär, Unternehmer und Weltraum-Tourist. Seine wichtigste Qualifikation: Er war schon im All. Das unterscheidet ihn immerhin von den meisten Menschen, die Raumfahrt verwalten. Kritiker fragen, ob private Weltraumerfahrung automatisch staatliche Raumfahrtführung ersetzt. Befürworter sehen darin eine neue Nähe zur Praxis. Wer selbst einmal schwerelos war, versteht vielleicht besser, warum man dafür Milliarden braucht.

Das Dekret selbst unterscheidet sich inhaltlich kaum von früheren Strategiepapiere – auch aus Trumps erster Amtszeit. Neu ist vor allem der Ton. Der Mond wird nicht mehr nur als wissenschaftliches Ziel beschrieben, sondern als strategischer Raum, der gesichert, verteidigt und langfristig genutzt werden soll. Der Himmel über uns ist damit offiziell kein neutraler Ort mehr, sondern Teil der nationalen Infrastruktur.

Objektiv betrachtet fügt sich das alles in einen globalen Trend ein. Raumfahrt ist längst keine rein wissenschaftliche Disziplin mehr, sondern eine Mischung aus Technologie, Prestige und Sicherheitsdenken. China, Europa und private Unternehmen investieren massiv. Der Wettbewerb verlagert sich vom erdnahen Orbit weiter hinaus. Der Mond wird zum nächsten Meilenstein – oder zum nächsten Argument.

Und doch bleibt dieser leise Unterton, der das Ganze begleitet. Wenn die Rückkehr zum Mond so betont wird, wenn sie immer wieder neu beschlossen, neu terminiert und neu politisch aufgeladen wird, stellt sich unweigerlich die Frage, warum dieser Ort trotz angeblich erfolgreicher Besuche so fremd geblieben ist. Vielleicht liegt es daran, dass Geschichte manchmal besser funktioniert, wenn man sie regelmäßig auffrischt. Oder daran, dass ein dauerhafter Außenposten weniger Interpretationsspielraum lässt als alte Schwarz-Weiß-Aufnahmen.

So beginnt nun also ein weiteres Kapitel der amerikanischen Mondgeschichte. Mit großem Anspruch, ehrgeizigem Zeitplan und präsidialer Unterschrift. Ob die USA diesmal nicht nur zurückkehren, sondern auch bleiben, wird sich zeigen. Der Mond jedenfalls wartet geduldig. Er hat Zeit. Sehr viel Zeit. Und er ist es gewohnt, angeschaut zu werden – aus der Ferne und mit großen Worten.