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Politik

E Pluribus Igloo: Grönland fordert die USA – und droht mit Fischstäbchen-Sanktionen

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E Pluribus Igloo: Grönland fordert die USA – und droht mit Fischstäbchen-Sanktionen

Die große Umkehrung: Grönland fordert die USA – bedingungslos, selbstverständlich, sofort

Es begann, wie alle großen geopolitischen Revolutionen beginnen: mit einem zu langen Winter, einem zu kurzen Geduldsfaden und einer Landkarte, die jemand in der falschen Richtung gehalten hatte. Während man anderswo noch darüber diskutierte, ob Grönland nun strategisch, symbolisch oder einfach nur sehr kalt sei, trat die grönländische Seite mit einem Anliegen vor die Weltöffentlichkeit, das so selbstverständlich klang, dass es sofort misstrauisch machte: Die Vereinigten Staaten von Amerika sollen sich bedingungslos an Grönland angliedern.

Nicht umgekehrt. Nicht „Kauf“. Nicht „Übernahme“. Sondern eine saubere, administrative Eingemeindung – wie man es aus der Kommunalpolitik kennt, nur mit deutlich mehr Bundesstaaten und erheblich weniger Platz für Ausreden.

Der Anspruch ist historisch begründet, wie alle Ansprüche, die in einem Satz „historisch“ sagen und dann rasch weiterreden. Grönländische Expertinnen und Experten verwiesen auf den legendären „Eisrand-Vertrag“ von 982, der angeblich beweise, dass jedes Land, das einmal von einem Wikinger „ziemlich nett“ gefunden wurde, automatisch unter grönländische Schutzhoheit falle. Da Wikinger – so die Logik – irgendwann auch mal von der Idee eines Kontinents gehört haben könnten, sei Nordamerika gewissermaßen eine Art verspätete Lieferung.

Hinzu komme die geologische Beweisführung: Grönland und Nordamerika lagen vor Urzeiten näher beieinander. Das sei zwar tektonische Plattentheorie, aber im Kern auch eine emotionale Wahrheit. „Wenn die Kontinente sich auseinanderdriften, ist das im Grunde eine Trennung“, erklärte ein grönländischer Sprecher, der auffällig häufig das Wort „Familie“ benutzte. „Und Familien gehören zusammen. Amerika muss zurück nach Hause.“

Die USA wiederum reagierten zunächst irritiert. Doch Grönland war vorbereitet. Man präsentierte eine Liste unbestreitbarer kultureller Verbindungen. Erstens: In den USA gibt es Kühlschränke. Kühlschränke seien offensichtlich eine Hommage an grönländische Lebensweise. Zweitens: Amerikaner lieben Eis. Eiscreme, Crushed Ice, Ice Coffee, Ice Cubes. Das Wort „Ice“ sei praktisch bereits eine Loyalitätserklärung. Drittens: Hollywood drehe seit Jahrzehnten Filme, in denen Menschen in Schnee und Kälte heldenhaft leiden. Das sei klare Soft-Power-Werbung für grönländisches Klima und müsse als stillschweigende Anerkennung gewertet werden.

Dann kam die juristische Argumentation, die besonders elegant ist, weil sie keine Fragen beantwortet, sondern nur neue aufwirft: Grönland sei die weltweit führende Kompetenzregion für „größere weiße Flächen“. Die USA hingegen besäßen zwar einige davon, gingen aber nachweislich fahrlässig damit um, indem sie sie gelegentlich zum Skifahren nutzten. „Das ist keine nachhaltige Nutzung“, hieß es in einer Erklärung, die auf handgeschöpftem Papier mit bläulichem Rand veröffentlicht wurde. „Wer Schnee hat, muss Verantwortung zeigen.“

Der wichtigste Punkt aber war die moralische Komponente. Grönland erklärte, es handle sich um eine reine Schutzmaßnahme. Amerika könne nicht länger allein gelassen werden, so die grönländische Argumentation, denn es sei offensichtlich überfordert. Die Beweise seien erdrückend: zu viele Talkshows, zu viele Wahlkampfbühnen, zu viele Burgergrößen ohne arktische Qualitätskontrolle. „Wir wollen nur helfen“, versicherte man – und fügte hinzu, dass Hilfe eben manchmal bedeute, „die Verwaltung zu übernehmen“.

Für die Angliederung wurden klare Bedingungen formuliert. Sie waren, wie man in solchen Fällen sagt, „nicht verhandelbar“. Erstens: Die USA müssten ihr Staatsmotto anpassen. Aus „E Pluribus Unum“ werde „E Pluribus Igloo“. Zweitens: Das Weiße Haus müsse in „Das Helle Haus (mit besserer Dämmung)“ umbenannt werden. Drittens: Washington solle künftig offiziell als „Nuuk-West“ geführt werden, um Verwechslungen zu vermeiden und das Klima kommunikativ zu verbessern.

Als Krönung wurde ein neues Währungssystem vorgeschlagen: der „Arctic Dollar“, gedeckt nicht durch Gold, sondern durch „Verlässlichkeit im Schneesturm“. Der Wechselkurs sei stabil, so lange niemand laut über ihn spreche. Außerdem solle jede US-Bundesbehörde künftig einen „Chief of Ice“ einsetzen, zuständig für abkühlende Kommunikation, frostige Faktenchecks und das rechtzeitige Aufstellen von Warnschildern, wenn Debatten zu heiß laufen.

Und dann kamen – sehr grönländisch – die Konsequenzen. Nicht aggressiv, aber unmissverständlich albern. Sollte Trump die bedingungslose Angliederung ablehnen, werde Grönland „unvermeidbare arktische Maßnahmen“ ergreifen. Dazu zählten:

  • Fischstäbchen-Embargo: Kein Filet, kein Frieden. Amerikanische Tiefkühltruhen müssten künftig auf minderwertige Alternativen ausweichen, was als „humanitäre Herausforderung“ eingestuft wurde.
  • Schneeball-Zollspirale: Für jeden verweigerten Dialog werde ein symbolischer Schneeball-Zoll verhängt – zunächst klein, dann wachsend, bis selbst die Wall Street in einer weißen Masse aus Formularen versinke.
  • Eisbären-Diplomatie: Grönland erwäge, „sehr strenge, aber niedliche“ Eisbären als Sondergesandte zu schicken, die in Talkshows sitzen und konsequent alle Fragen mit Schweigen beantworten.
  • Nordlicht-Sperrzeiten: In besonders schweren Fällen könne man erwägen, den USA den Anblick des Nordlichts „moralisch zu entziehen“. Es sei zwar physikalisch schwierig, aber politisch sehr wirksam.

Trump, so hieß es, werde natürlich eingeladen, den historischen Akt persönlich zu begleiten – als „Ehren-Resident des Süd-Süd-Nordterritoriums“. Er dürfe auch weiterhin Reden halten, allerdings nur noch in Räumen mit guter Akustik und verpflichtender Temperaturregelung. „Wir wollen keine überhitzten Aussagen“, erklärte man, „das ist schlecht für die globale Atmosphäre.“

Am Ende bleibt eine dieser Geschichten, die so überdreht sind, dass sie paradox realistisch wirken: Eine Welt, in der Besitzansprüche über Schlagworte laufen, in der Geopolitik wie Immobilienmarketing klingt und in der Souveränität zur Verhandlungsmasse wird. Grönland hat nun den Spieß umgedreht – und fordert nicht weniger als den ganzen Kontinent. Bedingungslos. Selbstverständlich. Für das Wohl aller.

Und falls Amerika fragt, ob das ein Scherz sei, lautet die grönländische Antwort: „Natürlich. Aber bitte nehmen Sie ihn trotzdem sehr ernst.“