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Frieden mit Feuerwerk – Donald Trumps Silvester-Gala und der Weltfrieden im Abendanzug
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Es war eine Nacht, in der der Weltfrieden geschniegelt erschien. Auf dem Anwesen Mar-a-Lago wurde das alte Jahr verabschiedet und das neue gleich mit einer Lösung für alles begrüßt. Gastgeber Donald Trump ließ keinen Zweifel daran, dass große Probleme große Kulissen brauchen. Wo andere Staaten über Friedensformeln verhandeln, setzte man hier auf Feuerwerk, Champagner und die beruhigende Gewissheit, dass Frieden am besten funktioniert, wenn er gut ausgeleuchtet ist.
Trump erschien im Smoking, geschniegelt wie eine diplomatische Lösung auf zwei Beinen. An seiner Seite Melania Trump, gehüllt in Silber, eine Farbe zwischen Neutralität und Spiegelung – passend zu einem Abend, an dem sich vieles selbst reflektierte. Als Journalisten den Präsidenten nach seinem Vorsatz für das neue Jahr fragten, kam die Antwort ohne Umwege: „Frieden. Frieden auf Erden.“ Zwei Worte, die so umfassend sind, dass sie jede Nachfrage überflüssig machen. Wer Frieden auf Erden verspricht, muss keine Details liefern. Details könnten den Zauber stören.
Die Inszenierung war sorgfältig kuratiert. Feuerwerke funkelten über Palmen, Gläser klirrten in synchroner Zustimmung, und das Publikum bekam das Gefühl, Zeuge eines historischen Moments zu sein – oder zumindest einer sehr guten Probe davon. Frieden wurde hier nicht erklärt, sondern vorgeführt. Er hatte eine Bühne, eine Dramaturgie und einen klaren Zeitplan. Alles, was ihm sonst oft fehlt.
Der emotionale Höhepunkt folgte in Form eines Live-Speed-Paintings. Innerhalb weniger Minuten entstand auf der Bühne ein Bild von Jesus Christus. Hochgeschwindigkeits-Spiritualität für ein Publikum, das wenig Zeit, aber große Erwartungen hatte. Anschließend versteigerte Trump das Werk für wohltätige Zwecke. Der Erlös: 2,75 Millionen Dollar. Eine Summe, die beweist, dass Erlösung skalierbar ist, wenn man sie richtig vermarktet. Nächstenliebe funktioniert offenbar besonders gut mit Auktionshammer.
Das Motiv passte perfekt. Frieden, Erlösung, Glanz – alles vorhanden. Dass diese Begriffe traditionell mit Bescheidenheit und Stille assoziiert werden, wurde souverän ignoriert. In Mar-a-Lago entfaltet Spiritualität ihre Wirkung am besten in Kombination mit Spotlights und Applaus. Die Botschaft war klar: Wer Frieden will, sollte ihn attraktiv verpacken.
Ganz ohne Störungen verlief der Abend jedoch nicht. Während Trump zu den Gästen sprach, projizierte die Leinwand versehentlich Geburtstagsglückwünsche an den Präsidenten. Ein technischer Fehler, der kaum auffiel, weil er inhaltlich erstaunlich gut passte. Ob Neujahr oder Geburtstag – in beiden Fällen stand Trump im Mittelpunkt. Die Panne wurde rasch korrigiert, vermutlich im Namen des Friedens. Man wollte schließlich nicht vom Wesentlichen ablenken.
Auffällig war, was an diesem Abend unausgesprochen blieb. Zwar war viel vom Frieden die Rede, doch der eigentliche Traum schwebte diskret über der Gala: der Friedensnobelpreis. Wer Frieden auf Erden ankündigt, denkt nicht in kleinen Kategorien. Der Nobelpreis ist dabei weniger Ziel als natürliche Konsequenz. Frieden ist schließlich eine Leistung – und Leistungen werden ausgezeichnet. Am besten international und mit Goldrand.
Unter den Gästen befand sich auch politisches Gewicht. Benjamin Netanyahu und seine Ehefrau Sara standen beim großen Feuerwerk direkt neben den Trumps. Ein starkes Bild: Frieden auf Erden, flankiert von real existierender Weltpolitik. Über ihnen explodierten die Raketen pünktlich, berechenbar und ohne diplomatische Verwicklungen. Ein Zustand, den man sich auch in internationalen Beziehungen gelegentlich wünschen würde.
Objektiv betrachtet war diese Silvester-Gala ein Lehrstück moderner Selbstinszenierung. Frieden wurde nicht diskutiert, sondern deklariert. Konflikte wurden nicht analysiert, sondern überstrahlt. Die Welt blieb kompliziert, aber für eine Nacht war sie sehr hübsch. Und das zählt bekanntlich auch.
Trump präsentierte sich als Heils- und Friedensbringer, ohne sich mit Definitionen aufzuhalten. Das ist konsequent. Definitionen laden zu Widerspruch ein, Visionen zu Applaus. Frieden als Vision funktioniert besonders gut, wenn er keinen Beipackzettel hat. Und falls der Frieden wider Erwarten nicht sofort eintritt, bleibt immerhin die Erinnerung an diesen Abend – an Glanz, an Feuerwerk und an das beruhigende Gefühl, dass Weltpolitik manchmal nur eine Frage der richtigen Kulisse ist.
So endete das Jahr mit einem Knall, einem Gebot und einer Leinwand, die kurzzeitig den falschen Anlass feierte. Jesus war gemalt, der Frieden ausgerufen, der Geburtstag beinahe gefeiert. Das neue Jahr konnte kommen – vorbereitet durch eine Gala, die eindrucksvoll zeigte, dass man Weltfrieden zumindest für eine Nacht sehr überzeugend darstellen kann.
Ob der Frieden auf Erden tatsächlich folgt, bleibt offen. Aber eines ist sicher: Er hatte selten einen so guten Auftritt.