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Operation Hummer: Wie das Pentagon den September zur größten Einkaufswoche der Welt macht
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- tmueller
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Im Alltag normaler Menschen gibt es einen bekannten Moment: Man schaut kurz vor Monatsende aufs Konto und denkt sich, man sollte vielleicht noch schnell etwas kaufen, bevor das Geld einfach nur herumliegt und sich langweilt. Eine neue Pfanne vielleicht. Oder ein Paar Schuhe.
Im US-Verteidigungsministerium funktioniert dieses Prinzip ähnlich – nur mit einer leichten Variation: Statt einer Pfanne kauft man vielleicht ein paar Tonnen Hummer, ein Klavier für knapp hunderttausend Dollar oder mehrere hundert Donut-Lieferungen.
Willkommen im September im Pentagon.
Der Monat der großen Panik
Der Grund für diese Einkaufsfreude ist ein bemerkenswertes Detail im amerikanischen Haushaltsrecht. Das Geld, das Behörden für ein Jahr bekommen, muss bis zum Ende des Fiskaljahres ausgegeben werden.
Sonst verschwindet es.
Ein Albtraum für jede Behörde. Denn wer Geld übrig lässt, könnte im nächsten Jahr weniger bekommen.
Und nichts fürchtet eine große Organisation so sehr wie ein kleineres Budget.
Deshalb entwickelt sich im September im Pentagon eine Art Einkaufsstimmung, die irgendwo zwischen Black Friday und Räumungsverkauf liegt.
Im vergangenen Jahr erreichten die Ausgaben in diesem Monat rund 93 Milliarden Dollar.
Besonders spektakulär: In den letzten fünf Tagen wurden über 50 Milliarden Dollar ausgegeben.
Das ist ungefähr so viel Geld, wie manche Länder in einem ganzen Jahr verwalten.
Die kulinarische Verteidigungsstrategie
Ein Teil dieser Milliarden floss in Dinge, die man nicht unbedingt mit militärischer Abschreckung verbindet.
Zum Beispiel Hummer.
Für fast 7 Millionen Dollar wurden diese edlen Meeresbewohner eingekauft. Dazu kamen Königskrabben für rund 2 Millionen Dollar und Lachs im Wert von etwa einer Million Dollar.
Das Pentagon verfolgt offenbar eine militärische Philosophie, die besagt: Eine gut ernährte Armee ist eine starke Armee.
Oder zumindest eine sehr zufriedene.
Doch das kulinarische Programm endet nicht bei Meeresfrüchten.
Sushi für die nationale Sicherheit
Für rund 26.000 Dollar wurden spezielle Arbeitsflächen zur Zubereitung von Sushi angeschafft.
Man kann sich das ungefähr so vorstellen:
Während irgendwo ein Verteidigungsplan ausgearbeitet wird, steht daneben ein Offizier und rollt sehr konzentriert eine perfekte Maki-Rolle.
Es wäre jedenfalls eine ungewöhnliche Szene für einen militärischen Krisenraum.
Steak als strategischer Rohstoff
Ein weiterer Schwerpunkt der Einkaufsliste war Steak.
Über 15 Millionen Dollar wurden dafür ausgegeben.
Diese Menge Fleisch könnte vermutlich eine mittelgroße Stadt mehrere Wochen ernähren.
Im Pentagon hingegen dürfte sie vor allem dafür sorgen, dass wichtige Entscheidungen nicht mit knurrendem Magen getroffen werden müssen.
Denn nichts gefährdet nationale Sicherheit so sehr wie schlechte Kantinenqualität.
Die Donut-Offensive
Besonders bemerkenswert ist eine andere Kategorie: Donuts.
Insgesamt 272 Bestellungen summierten sich auf rund 139.000 Dollar.
Das klingt zunächst unspektakulär, bis man versucht, sich die Menge vorzustellen.
Irgendwo in Washington müssen an diesem Tag vermutlich Lieferwagen vorgefahren sein, deren Ladung eher an ein Zuckerfestival erinnerte.
Vielleicht gibt es im Pentagon sogar eine spezielle Abteilung für strategische Gebäcklogistik.
Eis für die Moral der Truppe
Neben Donuts investierte das Ministerium auch in Eismaschinen.
Kostenpunkt: rund 124.000 Dollar.
Man könnte argumentieren, dass militärische Organisationen viele Dinge brauchen: Präzision, Disziplin, Technologie.
Aber offenbar auch gelegentlich eine Kugel Schokolade.
Möbel für die große Strategie
Doch das kulinarische Programm war nur ein kleiner Teil des Einkaufsrausches.
Die wirklich großen Summen flossen in Möbel.
Für rund 225 Millionen Dollar wurden neue Einrichtungen beschafft.
Das klingt luxuriös, ist aber laut langjährigem Durchschnitt sogar etwas weniger als sonst.
Mit anderen Worten: Das Pentagon hat sich beim Möbeleinkauf fast zurückgehalten.
Unter den Anschaffungen befanden sich auch kleinere Details wie Obstkörbe im Wert von über 12.000 Dollar.
Man könnte sagen, dass selbst in militärischen Entscheidungszentren Vitaminversorgung eine Rolle spielt.
Der Stuhl, auf dem Geschichte geschrieben wird
Ein besonders elegantes Möbelstück war ein ergonomischer Designerstuhl für rund 1.800 Dollar.
Ein Preis, der vermutlich dafür sorgt, dass strategische Entscheidungen besonders bequem getroffen werden.
Denn wenn schon über globale Sicherheitsfragen entschieden wird, dann bitte mit optimaler Rückenunterstützung.
Musik für die Luftwaffe
Der wohl außergewöhnlichste Einkauf war jedoch ein musikalisches Instrument.
Für das Haus des Luftwaffenstabschefs wurde ein Flügel von Steinway & Sons angeschafft.
Kostenpunkt: knapp 100.000 Dollar.
Doch damit nicht genug.
Dazu kamen eine Violine für 26.000 Dollar und eine handgefertigte japanische Luxusflöte für über 21.000 Dollar.
Man weiß schließlich nie, wann ein hochrangiger Offizier plötzlich beschließt, die geopolitische Lage mit einem kleinen Kammerkonzert zu kommentieren.
Das Geheimnis des September-Shoppings
Die Ursache für all diese Einkäufe liegt weniger in plötzlicher Gourmetleidenschaft oder musikalischer Inspiration.
Sie liegt im System.
Wenn Behörden Geld nicht ausgeben, könnte es im nächsten Jahr gekürzt werden.
Also wird ausgegeben.
Und zwar gründlich.
Am Ende des Fiskaljahres verwandelt sich das größte Militärbudget der Welt deshalb kurzfristig in eine Mischung aus Möbelmesse, Feinkostmarkt und Musikgeschäft.
Die große Erkenntnis
Das Pentagon verfügt über ein Budget von rund 850 Milliarden Dollar.
Der größte Teil davon fließt natürlich in militärische Ausrüstung, Personal und Infrastruktur.
Doch ein kleiner Teil sorgt dafür, dass die Verteidigungsbehörde der Vereinigten Staaten auch kulinarisch, ergonomisch und musikalisch bestens ausgestattet ist.
Denn offenbar gilt im Herzen der amerikanischen Militärmacht eine einfache Regel:
Eine Supermacht braucht nicht nur Flugzeugträger und Raketen.
Sie braucht auch Steak, Sushi und einen sehr guten Konzertflügel.