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Pentagons neue Medienstrategie: Wenn Fotos nur noch mit Genehmigung gut aussehen dürfen
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- tmueller
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In der modernen Politik gibt es zwei Dinge, die ungefähr gleich gefährlich sein können: eine unangenehme Frage – und ein unvorteilhaftes Foto.
Die erste Gefahr lässt sich meist mit einer langen Antwort umgehen. Die zweite ist schwieriger. Denn ein Foto hat eine unerfreuliche Eigenschaft: Es bleibt einfach stehen und sagt nichts. Und genau deshalb wirkt es manchmal stärker als jede Pressemitteilung.
Im US-Verteidigungsministerium hat man diese Erkenntnis offenbar besonders ernst genommen. Dort wurde eine Lösung gefunden, die gleichzeitig elegant, effektiv und ein kleines bisschen überraschend ist.
Wenn Fotos nicht gefallen, lässt man einfach keine Fotografen mehr rein.
Die Entstehung eines gefährlichen Bildes
Alles begann mit einem Pressebriefing im Pentagon Anfang März. Verteidigungsminister Pete Hegseth sprach vor Journalisten über militärische Entwicklungen, während Fotografen wie üblich ihre Kameras klickten.
Ein Routineereignis.
Doch irgendwo zwischen Blitzlicht, Mikrofonen und militärischen Fachbegriffen entstand offenbar ein Foto – oder vielleicht mehrere –, die im Umfeld des Ministers nicht auf uneingeschränkte Begeisterung stießen.
Die Beschreibung lautete angeblich: „wenig schmeichelhaft“.
In der Welt politischer Kommunikation ist das ungefähr so schlimm wie ein falsches Passwort bei einem Bankkonto.
Die große Bildanalyse
Man stelle sich die Szene im Ministerium kurz vor.
Ein Mitarbeiter sitzt vor einem Bildschirm, betrachtet ein Foto des Ministers und sagt:
„Er sieht… menschlich aus.“
Stille im Raum.
„Das können wir so nicht veröffentlichen.“
Denn Politiker sollen in offiziellen Bildern bestimmte Eigenschaften besitzen: Entschlossenheit, Autorität, und im Idealfall eine Stirn, die aussieht, als hätte sie noch nie von Stress gehört.
Die revolutionäre Strategie
Die Reaktion auf das Problem war erstaunlich direkt.
Bei den nächsten Pressebriefings wurden Fotojournalisten einfach nicht mehr zugelassen.
Stattdessen durften nur noch Fotografen des Verteidigungsministeriums selbst Bilder machen.
Das ist ungefähr so, als würde ein Restaurant beschließen, nur noch Bewertungen von seinem eigenen Küchenchef zu akzeptieren.
Die Kunst der offiziellen Fotografie
Regierungsfotografen haben eine besondere Aufgabe.
Sie dokumentieren politische Ereignisse – allerdings aus Perspektiven, die besonders staatsmännisch wirken.
Der Minister steht leicht erhöht. Im Hintergrund wehen Flaggen. Und das Licht fällt exakt so, dass niemand müde aussieht.
In dieser Welt existieren keine ungünstigen Blickwinkel.
Es existieren nur heroische Perspektiven.
Der Fotograf als Risiko
Unabhängige Fotografen verfolgen dagegen ein anderes Konzept.
Sie fotografieren einfach.
Egal, ob jemand gerade redet, denkt, blinzelt oder kurz überlegt, ob er heute Morgen genug Kaffee getrunken hat.
Das Ergebnis sind Bilder, die manchmal erstaunlich real wirken.
Und genau darin liegt das Problem.
Die offizielle Erklärung
Das Pentagon erklärte die Entscheidung natürlich anders.
Man habe lediglich den Platz im Briefingraum effizient nutzen wollen. Deshalb dürfe jedes Medienunternehmen nur einen Vertreter schicken.
Eine organisatorische Maßnahme also.
Dass ausgerechnet Fotografen betroffen waren, ist vermutlich ein zufälliger Nebeneffekt der Raumplanung.
Ein sehr präziser Zufall.
Die lange Geschichte des Medienärgers
Der Vorfall passt in eine Reihe von Konflikten zwischen Regierung und Medien.
Schon in der Vergangenheit gab es Streit über Akkreditierungen, Zugang zu Informationen und Regeln für Journalisten.
Einige Medienorganisationen gaben sogar ihre Pentagon-Zugänge zurück, nachdem neue Bedingungen eingeführt wurden.
Eine dieser Bedingungen soll gewesen sein, dass Journalisten sich verpflichten sollten, nur Informationen zu nutzen, die vom Ministerium genehmigt wurden.
Ein Vorschlag, der ungefähr so gut ankam wie ein Kochkurs, bei dem man nur Rezepte lesen darf, die der Koch selbst geschrieben hat.
Die berühmte Golf-Debatte
Auch eine andere Episode bleibt vielen Beobachtern im Gedächtnis.
Damals durften Journalisten nicht mehr in der Präsidentenmaschine Air Force One mitfliegen, weil sie einen geografischen Begriff nicht so verwendeten, wie es die Regierung bevorzugte.
Ein Gewässer, das jahrzehntelang als „Golf von Mexiko“ bekannt war, sollte plötzlich „Golf von Amerika“ heißen.
Einige Medien hielten sich nicht daran.
Die Folge: keine Flugtickets.
Die Macht eines Fotos
Der aktuelle Streit zeigt, welche Rolle Bilder in der Politik spielen.
Ein Foto kann in Sekunden das vermitteln, wofür Politiker sonst lange Reden halten müssen.
Ein entschlossener Blick signalisiert Stärke.
Ein müder Blick signalisiert – nun ja – Müdigkeit.
Und manchmal reicht schon ein leicht skeptischer Gesichtsausdruck, um plötzlich so auszusehen, als würde jemand gerade über die Sinnfrage des Universums nachdenken.
Der Traum der Pressestellen
Viele Pressestellen träumen wahrscheinlich von einer Welt, in der Politiker ausschließlich in perfekten Momenten existieren.
In dieser Welt gibt es keine unvorteilhaften Bilder.
Keine überraschenden Gesichtsausdrücke.
Und vor allem keine Fotografen, die genau dann auslösen, wenn jemand gerade denkt:
„Warum hat dieses Briefing eigentlich noch drei Stunden?“
Die Realität bleibt hartnäckig
Doch trotz aller Strategien bleibt ein kleines Problem bestehen.
Realität ist schwer zu kontrollieren.
Menschen blinzeln. Menschen schauen manchmal skeptisch. Und Kameras sind erstaunlich schnell.
Selbst wenn man Fotografen ausschließt, bleibt die grundlegende Herausforderung bestehen:
Politiker sind Menschen.
Und Menschen sehen manchmal nicht so aus, wie Pressestellen es gerne hätten.
Die wichtigste Erkenntnis
Der aktuelle Konflikt zeigt daher eine erstaunlich einfache Wahrheit:
Wenn ein Foto zu ehrlich ist, wird es zum Problem.
Und wenn man dieses Problem lösen will, bleibt nur eine Option.
Man muss dafür sorgen, dass die Kamera genau das sieht, was sie sehen soll.
Oder noch besser:
Man sorgt dafür, dass sie nur von den richtigen Leuten gehalten wird.