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Wissenschaft per Dekret: Wie Kennedy die CDC in ein Ministerium für alternative Fakten verwandelte

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Wissenschaft per Dekret: Wie Kennedy die CDC in ein Ministerium für alternative Fakten verwandelte

„CDC Reloaded: Wenn Fakten stören, macht man eben neue.“

Wer dachte, die USA könnten im Bereich der Gesundheitspolitik nicht noch seltsamere Wendungen produzieren, darf sich nun entspannt zurücklehnen und beobachten, wie die US-Gesundheitsbehörde CDC den wissenschaftlichen Konsens von Jahrzehnten mit einem Federstrich demontiert – selbstverständlich auf Anweisung des obersten Gesundheitsbeamten, der Wissenschaft und Realität gerne mit dem gleichen Interesse begegnet wie ein Hund einem Staubsauger.

Denn plötzlich steht auf der offiziellen CDC-Website nicht mehr, dass es keinerlei Zusammenhang zwischen Impfungen und Autismus gibt. Nein, jetzt heißt es dort, diese Aussage sei „nicht evidenzbasiert“. Was ungefähr so klingt wie: „Wir behaupten das Gegenteil von allem, was die Wissenschaft sagt, aber wir versuchen es höflich zu formulieren.“

Der Mann hinter dieser Wendung ist Robert F. Kennedy Jr., der Gesundheitsminister, der wissenschaftliche Fakten so flexibel interpretiert, wie andere Leute Frühstücksrezepte. In einem Interview mit der „New York Times“ erklärte er stolz, dass er persönlich den Anti-Wissenschafts-Knopf gedrückt habe. Nicht, weil Beweise fehlten – nein, weil „keine endgültigen Beweise existieren, dass Impfungen NICHT Autismus verursachen“.

Das ist logisch auf einem Niveau, das normalerweise nur in esoterischen Telegram-Gruppen akzeptiert wird. Nach derselben Logik müsste die CDC nun offiziell vermerken: • „Es gibt keine endgültigen Beweise, dass Brokkoli nicht heimlich die Weltherrschaft plant.“ • „Es gibt keine endgültigen Beweise, dass Elvis NICHT auf dem Mond lebt.“ • „Es gibt keine endgültigen Beweise, dass Robert F. Kennedy Jr. nicht allergisch auf wissenschaftlichen Konsens reagiert.“

Wissenschaft sagt „Nein.“ Kennedy sagt „Vielleicht.“ Die CDC sagt „Wir wissen es nicht.“

Seit über 20 Jahren ist die Sache klar: Impfungen verursachen keinen Autismus.

Diese Erkenntnis basiert auf: • epidemiologischen Studien mit Millionen Probanden • Langzeitbeobachtungen • Meta-Analysen • internationalen Vergleichsdaten • und der vollkommenen Abwesenheit jeglicher biologischer Grundlage

Aber all das wirkt offenbar weniger beeindruckend als die persönliche Meinung eines Gesundheitsministers, der Impfstoffsicherheit gerne mit der gleichen Skepsis betrachtet, mit der Verschwörungstheoretiker auf Kondensstreifen schauen.

Kennedy gibt zu, dass diese Studien existieren – er sagt sogar, dass sie solide seien. Aber dann kommt sein Satz des Jahres:

„Es gibt jedoch keine endgültigen Beweise, dass Impfungen im ersten Lebensjahr keine Autismusgefahr darstellen.“

Das klingt wie: „Wir wissen, dass es keine Feuer gibt, aber wir können nicht ausschließen, dass vielleicht irgendwo ein Funke lauert.“

Wenn die Welt nach diesem Prinzip funktionieren würde, könnte man gar nichts mehr tun: • Autofahren? Keine endgültigen Beweise, dass dein Lenkrad nicht spontan explodiert. • Brot essen? Keine endgültigen Beweise, dass Weizen dich nicht in einen Frosch verwandelt. • Atmen? Keine endgültigen Beweise, dass Sauerstoff nicht heimlich dein WLAN sabotiert.

Die Autism Science Foundation: „Was zur Hölle tut ihr da?“

Die Autism Science Foundation reagiert empört. Nicht nur empört – zutiefst entsetzt, hochgradig irritiert und auf einer Ebene enttäuscht, die irgendwo zwischen „Mein Hund hat meine Hausaufgaben gegessen“ und „Die NASA hält die Erde plötzlich für eine Scheibe“ liegt.

Sie spricht von: • „veränderten und verzerrten Inhalten“ • „glatten Lügen“ • „impfkritischer Propaganda“

Und betont:

„Die Wissenschaft belegt eindeutig, dass Impfungen keinen Autismus verursachen.“

Kurz gesagt: Die CDC ist jetzt offiziell auf dem wissenschaftlichen Niveau eines schlecht gepflegten YouTube-Kommentarfeldes angekommen.

Früher entschied die Wissenschaft. Heute entscheidet der Minister.

Ehemalige CDC-Mitarbeiter beschreiben Kennedys Eingriff als „beispiellos“. Jahrzehntelang wurden Inhalte der CDC-Website ausschließlich von Wissenschaftlern geprüft. Man passte Formulierungen nur an, wenn neue Daten vorlagen.

Jetzt reicht die persönliche Meinung eines Ministers.

Ein Mann, der behauptet, die Tests der Pharmakonzerne seien „Lügen“. Ein Mann, der Impfstoffe regelmäßig verteufelt wie ein mittelalterlicher Priester, der zum ersten Mal eine Sonnenfinsternis sieht.

Wenn er morgen entscheidet, dass Impfungen Haarausfall verhindern, erscheint das dann auch auf der CDC-Website? Oder wenn er behauptet, Zitronenwasser könne Wunden heilen? Die Gesundheitsbehörde entwickelt sich langsam zum persönlichen Blog eines Politikers.

📉 Folgen? Natürlich katastrophal.

Die Anpassung der CDC-Website wird nicht nur verwirrte Eltern produzieren, sondern auch: • sinkende Impfquoten • steigende Krankheitsfälle • gefährdete Kinder • frustrierte Ärzte • und einen endlosen Strom an Desinformation, der schneller fließt als jede Corona-Welle

Es ist, als hätte jemand gesagt:

„Wie können wir die Gesundheitspolitik am effektivsten destabilisieren?“ „Lass uns die CDC zum Spielzeug eines Ministers machen.“

Willkommen in der Ära der Meinungsmedizin

Kennedys Eingriff ist ein Symbol für eine neue Ära: eine Ära, in der wissenschaftliche Wahrheit weniger zählt als das Bauchgefühl eines Politikers.

Statt faktenbasierter Aufklärung gibt es jetzt halbseidene Formulierungen. Statt verlässlicher Informationen gibt es „offene Fragen“. Statt Vertrauen gibt es Chaos.

Es ist die größte gesundheitspolitische Rolle rückwärts seit der Erfindung der Blutegel.