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„Große und wichtige Wahl!!!“ – Wie Trump Miami zum Drama machte und trotzdem verlor

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„Große und wichtige Wahl!!!“ – Wie Trump Miami zum Drama machte und trotzdem verlor

Es gibt Wahlen, die sind von globaler Bedeutung, die entscheiden über Weltfrieden, Klimapolitik oder die Stabilität internationaler Bündnisse. Und dann gibt es Wahlen, die wählen eine Bürgermeisterin für Miami. Normalerweise gehört die letztere Kategorie nicht zu jenen politischen Ereignissen, bei denen der ehemalige US-Präsident Donald Trump persönlich in den digitalen Ring steigt, um die Nation mit drei Ausrufezeichen aufzuwecken. Doch im neuesten Kapitel der amerikanischen Polit-Folklore verwandelte Trump die ansonsten eher lokal begrenzte Wahl kurzerhand in eine nationale Schicksalsfrage.

„Eine große und wichtige Wahl!!!“, verkündete er auf Truth Social, einem sozialen Netzwerk, das sich mittlerweile als eine Mischung aus Pressesprecher, Tagebuch und verbalen Feuerwerkskörpern entpuppt hat. Der Republikaner Emilio Gonzalez sei „FANTASTISCH!“ – ein Wort, das in Trumps Vokabular irgendwo zwischen „eher onbekannt“ und „absolut loyal“ rangiert.

Umso ironischer, dass die Einwohner Miamis anscheinend eine ganz andere Auffassung davon hatten, was fantastisch ist. Denn mit knapp 60 Prozent der Stimmen gewann die Demokratin Eileen Higgins – und das so deutlich, dass selbst das Ausrufezeichen-Lager Erklärungsbedarf haben dürfte.

Die Wahl, die nie wichtig war – bis Trump sie wichtig machte

Miami, eine Stadt, die für Sonne, Strand, Immobilienpreise und gelegentliche Alligatoren bekannt ist, geriet unvermittelt ins Zentrum der nationalen Aufmerksamkeit. Nicht, weil ein Tornado drohte, oder weil ein neuer Bond-Film dort gedreht wurde, sondern weil Donald Trump entschied, dass dieser Bürgermeisterwahl eine historische Schwere innewohnt.

Die Stadt wurde fast drei Jahrzehnte von kubanischstämmigen Republikanern dominiert. Bürgermeister kamen und gingen, ohne dass die nationale Presse mehr als ein Schulterzucken investierte. Doch jetzt, im Zeichen der neuen politischen Stammeskämpfe Amerikas, wurde aus einer Kommunalwahl ein symbolischer Showdown.

Trump stellte sich klar auf die Seite von Gonzalez. Und wie immer bei Trump schwang dabei der Unterton mit: Wenn ich es sage, dann wird es so kommen. Doch die Wähler Miamis hatten offenbar beschlossen, dass das letzte Wort nicht im Netz steht, sondern an der Wahlurne.

Higgins: Die erste Frau, die erste Nicht-Hispanische – und die erste, die Trumps Prophetie ignorierte

Eileen Higgins, 61 Jahre alt, Demokratin, wurde zur ersten Frau an der Spitze Miamis gewählt. Gleichzeitig ist sie die erste Bürgermeisterin seit den 1990er Jahren, die nicht aus der traditionell dominierenden hispanischen Community kommt. In einem Bundesstaat, der politisch eher wie eine Achterbahn funktioniert und in den letzten Jahren immer stärker republikanisch eingefärbt war, ist das mehr als eine Personalentscheidung – es ist ein politisches Statement.

Dass Higgins gewonnen hat, lässt zwei Interpretationen zu:

  1. Die Wähler wollten einen Wechsel nach 30 Jahren politischer Einfärbung.
  2. Oder – und das ist wahrscheinlich die humorvollere Deutung – sie hielten Trumps Wahlempfehlung für den sichersten Weg, die gegenteilige Entscheidung zu treffen.

Denn statistisch gesehen haben Trumps unterstützte Kandidaten in den letzten Jahren eine gewisse… nennen wir es diplomatisch „Schwankungsbreite“ gezeigt.

Das Echo im Trump-Lager: Stille, die lauter wirkt als Worte

Normalerweise reagiert Trump auf Wahlniederlagen seiner Favoriten mit einem Mix aus Verschwörungstheorie, rhetorischem Schattenboxen und spontaner Schuldverlagerung auf Wetter, Briefwahl oder die Schwerkraft. Diesmal aber blieb es ungewöhnlich still. Keine Tirade, kein spontanes „Betrug!“, kein Hinweis darauf, dass Gonzalez eigentlich gewonnen hätte, wenn man nur richtig gezählt hätte oder die Stimmzettel weniger krumm gewesen wären.

Vielleicht liegt der Grund darin, dass es sich eben doch nur um eine Bürgermeisterwahl handelt – trotz der vorherigen Behauptung, sie sei „groß und wichtig!!!“. Vielleicht aber lag es auch daran, dass die Wahl in Miami nicht das gewünschte Muster bestätigte, wonach Trump-Empfehlungen automatisch glorreiche Triumphe herbeiführen.

Der symbolische Shift: Was Miami tatsächlich bedeutet

Jenseits der politischen Comedy hat der Wahlausgang jedoch eine Bedeutung: Er zeigt, dass selbst in republikanisch geprägten Regionen Wechsel möglich sind – und dass Identitätspolitik nicht zwangsläufig über die Kandidatin entscheidet. Higgins steht gleichzeitig für einen Generationenschwenk und ein politisches Gegengewicht zu dem, was Florida in den letzten Jahren verkörpert hat.

Dass diese Wahl nicht wegen lokaler Themen, sondern wegen einer Truth-Social-Nachricht in die nationale Presse einging, ist dabei fast schon ein Kommentar zur Verfassung des amerikanischen Informationsraums: Ein Bürgermeisterwahlkampf wird erst zur Nachricht, wenn ein Ex-Präsident mit Capslock beteiligt ist.

Wichtige Wahl? Ja. Aber anders als gedacht.

Trump erklärte die Wahl zu einem nationalen Ereignis – und machte sie dadurch tatsächlich größer, als sie ohne ihn gewesen wäre. Doch statt eines republikanischen Siegeszugs gab es einen demokratischen Erdrutsch. Statt „FANTASTISCH!“ gab es „historisch“. Und statt eines Triumphs für Gonzalez wurde die Wahl zu einem unfreiwilligen Kommentar über die begrenzte Zugkraft eines Ex-Präsidenten, der jede Wahl zur Schicksalsfrage stilisiert, selbst wenn es nur um Müllentsorgung, Stadtentwicklung und Parkgebühren geht.