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Präsident im Portfolio: Wenn Außenpolitik Rendite bringt

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Präsident im Portfolio: Wenn Außenpolitik Rendite bringt

Es gibt Freundschaften, die entstehen aus gemeinsamen Interessen. Und dann gibt es Freundschaften, die entstehen aus gemeinsamen Überweisungen. Donald Trump pflegt letztere mit der Sorgfalt eines Sammlers seltener Oldtimer – nur dass seine Modelle fliegen, pumpen Öl und investieren diskret in Kryptowährungen.

Wenn hochrangige Gäste aus den Emiraten in Washington landen, wird nicht geklopft. Es wird eingerollt. Rote Teppiche, goldene Leuchter, ein Kabinett im Spalier – man hätte meinen können, die Oscarverleihung sei kurzfristig ins Weiße Haus verlegt worden. Staatsprotokoll? Nett. Aber warum klein denken, wenn man auch groß empfangen kann. Sehr groß. Halb so groß wie die Summe, die kurz zuvor den Besitzer gewechselt hat.

Denn während man noch über die Sitzordnung rätselte, hatte im Hintergrund bereits ein besonders eleganter Tanz stattgefunden: Ein Scheich mit Sinn für Rendite sicherte sich knapp die Hälfte von Trumps wichtigster Krypto-Firma. Kein Tamtam, keine Presse, keine Fragen. Diskretion ist schließlich der neue Transparenzstandard. Und Transparenz ist etwas für Leute ohne Wallet.

Der Zeitpunkt war exquisit gewählt. Nur wenige Tage vor Amtsantritt. Quasi ein Willkommensgruß, der sagt: „Viel Erfolg im neuen Job – wir glauben an dich. Hier ist eine halbe Milliarde.“ In der klassischen Diplomatie nennt man das Vertrauen. In der modernen nennt man es Diversifikation.

Trump und Familie profitierten spürbar. Bargeld floss, Anteile wechselten, Aufsichtsräte bekamen neue Gesichter. Alles ganz normal. In anderen Ländern nennt man das Korruption, in dieser Version heißt es unternehmerische Initiative. Amerika liebt Gründergeist, und warum sollte der im Weißen Haus enden?

Besonders raffiniert ist die Wahl des Instruments: Krypto. Digital, modern, schwer zu greifen. Wer fragt, bekommt ein Schulterzucken. Wer nachrechnet, bekommt Kopfschmerzen. Wer Transparenz fordert, wird an die Innovationsfreude erinnert. Schließlich ist es die Zukunft. Und die Zukunft ist bekanntlich privat.

Kurz darauf geschah etwas Merkwürdiges, das rein zufällig perfekt passte. Jahrzehntelang streng gehütete Technologien wurden plötzlich freigegeben. Hochleistungs-Chips? Klar. Riesige Rechenzentren? Warum nicht. Exportbeschränkungen, die zuvor als heilig galten, wurden neu interpretiert. Heiligkeit ist relativ, besonders wenn sie gegen Wachstum steht.

Man könnte meinen, hier gebe es einen Zusammenhang. Aber das wäre voreilig. Trump betont, er handele ausschließlich im Interesse der Öffentlichkeit. Und wenn die Öffentlichkeit zufällig mitinvestiert, ist das doch nur ein Bonus. Win-win, sagt man im Business. In der Politik nennt man es Führung.

Dass die US-Verfassung eigentlich vorsieht, Geschenke und Vorteile aus dem Ausland zu meiden, wird in diesem Umfeld als historischer Text behandelt. Interessant, lehrreich, aber nicht zwingend bindend. Wie ein Rezept aus dem 18. Jahrhundert: nett zu lesen, aber heute kocht man anders.

Ethik-Experten schlagen Alarm. Alarmstufe: Sirene. Die Regierung stehe zum Verkauf, sagen sie. Das ist natürlich übertrieben. Zum Verkauf steht nur der Zugang. Der Markt regelt den Rest. Angebot und Nachfrage. Und die Nachfrage ist hoch, wenn man Zugang zu einem Präsidenten mit offenem Geschäftsmodell hat.

Trumps Sprecher erklären, es gebe keine Interessenkonflikte. Eine gewagte These, wenn der größte Anteilseigner der Präsidentenfirma zugleich ein ausländischer Machtbroker ist. Aber Konflikte entstehen bekanntlich erst, wenn man sie anerkennt. Ignoriert man sie, lösen sie sich auf. Zumindest kommunikativ.

Das Schönste an dieser Geschichte ist ihre Eleganz. Keine Schmiergelder, keine Umschläge, kein Kofferraum. Nur saubere Verträge, freundliche Dinners und politische Entscheidungen, die zufällig genau das fördern, was Investoren wollen. Das ist keine Hinterzimmerpolitik – das ist Open-Plan-Lobbying mit Ausblick.

Man muss Trump eines lassen: Er denkt unternehmerisch. Warum Politik und Geschäft trennen, wenn man beides integrieren kann? Warum außenpolitische Beziehungen pflegen, wenn man sie auch monetarisieren kann? Warum Demokratie verwalten, wenn man sie skalieren kann?

So wird Außenpolitik zur Assetklasse. Staatsbesuche werden Roadshows. Kabinettsmitglieder sind Hosts. Und das Weiße Haus fungiert als sehr exklusiver Accelerator. Pitch-Decks gibt es keine – dafür Rechenzentren, Chips und Exportlizenzen.

Am Ende steht ein neues Verständnis von Macht. Macht ist nicht nur die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen. Macht ist die Fähigkeit, sie bilanziell zu erklären. Wenn sich etwas rechnet, war es richtig. Wenn es Gewinne bringt, war es gut. Und wenn es Dividenden zahlt, war es patriotisch.

Ob das alles gut ausgeht? Das ist zweitrangig. Wichtig ist, dass es sich lohnt. Für wen? Diese Frage ist kompliziert. Aber zum Glück gibt es dafür Berater.

Die Demokratie wirkt in diesem Szenario nicht abgeschafft, nur umgebaut. Aus dem Gemeinwesen wird ein Portfolio. Aus der Verfassung eine Fußnote. Und aus dem Präsidenten ein CEO mit außenpolitischer Bonusregelung.

Wer jetzt fragt, wo die Grenze liegt, bekommt ein Lächeln. Grenzen sind schlecht fürs Wachstum. Und Wachstum ist bekanntlich alternativlos.